WAS MACHT EIGENTLICH ... Berlin?

Tucholskys Eltern ehren

… und das völlig zu Recht. Denn Doris und Alex Tucholsky haben Kurt in die Welt gesetzt, hier in Berlin. Und es gibt ungefähr siebenhundertfünfunddreißigtausendzweihundertundneun gute Gründe, den Publizisten Kurt Tucholsky auch heute noch großartig zu finden. Der Mann hat die Weimarer Republik vollgeschrieben, hat sich für alles zuständig gefühlt und gegen alles angetextet, was auch nur entfernt nach Missstand aussah. Er beschimpfte, wenn es sein musste, Kaiser, Präsidenten, das Deutsche Rote Kreuz, Patrioten und Kollegen. Meistens musste es sein, wenn es nach Tucholsky ging. Die Welt gibt einem ja zu jeder Zeit genügend Gründe für ein Ärgernis.

Und doch sind seine Texte kein Stück griesgrämig. Im Gegenteil: Tucholsky hatte Humor. Wie hätte er die ganze Scheiße sonst auch ertragen können? Einmal hackt er zum Beispiel seitenlang auf einem dummbatzigen Zensurgesetz herum und endet mit dem brillanten Satz: „Dieses Gesetz gegen Schmutz und Schande fällt unter sich selbst.“

Kurt Tucholsky aka Peter Panter aka Theobald Tiger aka Ignatz Wrobel aka Kaspar Hauser bewahrte die deutsche Sprache vor Stereotypen und Langeweile. Er schrieb „Schloss Gripsholm“ und „Rheinsberg“ und hat Franz Kafkas „Prozess“ gelesen, aber nicht kapiert. Ein seltener Moment, in dem Tucholsky mal ratlos war. 1935 starb er in Schweden, wo er begraben liegt.

Seine Eltern ruhen in Berlin auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee. Ihre Grabanlage wurde jetzt vom Land restauriert. Heute Nachmittag wird das mit einem kurzen Festakt mit Kulturstaatssekretär André Schmitz gefeiert. XLA
FOTO: ARCHIV