Wegen seinen Ansichten zum Islam genießt Christian Wulff unter deutschen Muslimen viele Sympathien. Die Affäre um seinen Privatkredit hat daran nichts geändert.von Daniel Bax

Hat viele Muslime hinter sich: Bundespräsident Wulff. Bild: dapd
BERLIN taz | "Lasst unseren Bundespräsidenten in Ruhe!", schreibt Ekrem Senol, der Chefredakteur des Onlinemagazins Migazin, das sich auf migrationspolitische Themen konzentriert, in seinem Editorial. "Christian Wulff hat es wie sonst keiner vor ihm geschafft, diesem Amt ein bisher noch nie dagewesenes Gewicht zu verleihen", findet er sogar. Denn Wulff sei "ein Bundespräsident, der zum ersten Mal uns allen gehört". Ob Deutschland angesichts der vielen offenen Fragen, welche die Neonazi-Mordserie aufgeworfen habe, keine anderen Sorgen habe, will Senol wissen.
Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?
"Es gibt wichtigere Dinge", findet auch die Schriftstellerin Hatice Akyün. Günther Jauchs Talkshow zum Thema empfand sie als "unglaublich respektlos". Und sie fragt: "Wer von den Verantwortlichen, die zehn Neonazi-Morde geschehen ließen, ist denn bis jetzt zurückgetreten?"
Diese Meinungen spiegeln die Stimmung unter vielen muslimischen Deutschen angesichts der aktuellen Kritik am Bundespräsidenten. Wulff genießt dort ein hohes Ansehen, weil er gleich zu Beginn seiner Amtszeit erklärte hatte, der Islam gehöre zu Deutschland. Auch seine Solidarität mit den Hinterbliebenen der Opfer des Rechtsterrorismus wird ihm hoch angerechnet.
"Viele Migranten sprechen sich für Wulff aus, weil er etwas sehr Wichtiges gesagt hat", erklärt die Schriftstellerin und Publizistin Hilal Sezgin, die regelmäßig auch für die taz schreibt. Sein Bekenntnis zu den muslimischen Einwanderern auf dem Höhepunkt der Sarrazin-Debatte sei "alles andere als eine Selbstverständlichkeit" gewesen. "Kaum war er im Amt, hat er dafür seinen Kopf hingehalten." Es sei erschütternd, dass das anscheinend so viele schon wieder vergessen hätten.
Viele Muslime seien "traurig" über die Art und Weise, wie Bundespräsident Christian Wulff demontiert werde, heißt es auch in der Deutschlandausgabe der türkischsprachigen Tageszeitung Zaman. Die islamisch-konservative Zeitung zitiert den Sprecher des Koordinationsrats der Muslime, Bekir Alboga, der Wulff ein hohes Ansehen bescheinigt - "nicht nur in Deutschland, sondern insbesondere auch auf internationale Ebene". Der Bundespräsident habe sehr gute Botschaften ausgesandt, um die Zugehörigkeit der Muslime zu Deutschland zu unterstreichen. "Es wäre deshalb sehr schade, wenn er aufgrund politischer Intrigen diese Politik nicht mehr fortführen könnte."
Auch in der Europaausgabe der Hürriyet griff die Aussagen Albogas auf und titelte dazu: "Volle Unterstützung für Wulff durch Muslime".
Etwas verhaltener äußerte sich der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek. "Wir brauchen jetzt mehr denn je ein stabiles politisches Berlin, damit unserer Gesellschaft nicht weiter auseinander driftet", sagte er der Mitteldeutschen Zeitung, und mahnte einen "schonenden Umgang" mit Bundespräsident Christian Wulff an.
Es ist ja kaum verwunderlich, dass die muslimische Gemeinschaft für Wulff eintritt. Allerdings bleibt fraglich, welche Folg ...
Es war klar, dass ein Mensch, der Mensch geblieben ist und dafür sorgt, dass sich die Bürger allesamt wohlfühlen und zur Ei ...
Divide et impera
Am Samstag finden sich mehrere Hundert Neonazis zu einem Konzert in Ostbrandenburg zusammen. Es gibt Proteste von Anwohnern. von Plutonia Plarre

David Beckham beendet seine Fußballer-Karriere. Wird er jetzt etwa Vollzeitpapa, Model oder Frührentner? Ach, uns fallen da noch ein paar andere Sachen ein...

Ein echt fieser Augapfel, ein Harley-Davidson-Skelett, Buddha hat Geburtstag und jede Menge Quallen. Unsere Bilder der Woche.

14 Jahre war Thomas Schaaf Trainer bei Werder Bremen – genug Zeit, seinen trockenen Humor in vielen Interviewantworten unter Beweis zu stellen.

Am Samstag ist es wieder so weit: Im schwedischen Malmö kämpfen 39 Länder um den ersten Platz beim ESC. Wir wissen, auf welche Teilnehmer Sie besonders achten können.

Für alle, die mitreden wollen
Der lange Abschied vom Wachstum, Kriminalität ohne Grenzen, der Kampf um die richtige Landwirtschaft, Sozialpolitik gegen den sozialen Fortschritt, die überfällige Reform der UN: Der neue Atlas der Globalisierung von Le Monde diplomatique veranschaulicht auf 176 Seiten und in über 150 neuen Karten und Infografiken in welchem Tempo die Globalisierung voranschreitet und die Welt verändert.