Niedriges Elterngeld in Bremen

Bitte keine Powerpaare mehr

Man kann sie nicht mehr sehen: Kaum eine Woche vergeht, in der man nicht von gut gekleideten Menschen in schicken Altbauwohnungen erfährt, wie beide Partner erfolgreich im Beruf sein können, ohne die Kindererziehung komplett an das Aupair übertragen zu müssen.

Oder wie „er“ seine drei Monate Elternzeit meistert – dank von der Leyens Elterngeld. „Powerpaare“ hat sie das aktuelle Zeit-Magazin genannt.

Zurecht wundert sich der Leiter des Bremer Instituts für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe, Paul Schröder, dass auch an der Statistik zu einem Jahr Elterngeld vor allem eine Zahl die Medien bewegt: Die der Windeln wechselnden Väter. Er hingegen lenkt den Blick auf eine Zahl, die keinen Anlass zu erbaulichen Reportagen bietet: Den Anteil derjenigen, die den Mindestbetrag von 300 Euro erhalten, weil sie wenig oder gar nichts verdienen. Die alleinerziehenden Mütter in Bremerhaven plagen sich nicht mit der Frage, ob der Kindsvater zwei oder sieben Monate Elternzeit nehmen soll. Für sie zählt, wie sie einen Job bekommen: Der ist Voraussetzung für einen Krippenplatz. Elterngeld ist für gut verdienende Berufstätige eine feine Sache. Mit Bevölkerungspolitik hat es viel zu tun. Mit Gleichstellungspolitik – kaum.