Christian Semler, 66, Weggefährte von Rudi Dutschke, trat schon 1957 in den Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) ein. Er war Mitglied des Beirats im Berliner SDS und aktiv in SDS-Kampagnen wie "Enteignet Springer!". Der SDS hatte zwei Flügel: Traditionalisten und Antiautoritäre (Dutschke und Semler). Nach der Auflösung des SDS 1970 war Semler Mitbegründer, später Vorsitzender der prochinesischen Kommunistischen Partei Deutschlands Aufbauorganisation (KPD/AO).
Die KPD/AO war eine von fünf wichtigen maoistischen Gruppierungen. Neben der KPD/AO gab es noch den Kommunistischen Bund Westdeutschlands (KBW), den in Norddeutschland tätigen Kommunistischen Bund (KB), die Kommunistische Partei Deutschlands Marxisten-Leninisten (KPD/ML) und den Kommunistischen Arbeiter Bund Deutschlands (KABD), aus dem später die heute noch existierende MLPD (Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands) hervorging. Neben diesen maoistischen Gruppen gab es noch die Moskowiter (die illegale KPD), die Trotzkisten (Gruppe Internationaler Marxisten), Spontis wie den Revolutionären Kampf (mit Joschka Fischer) und Linkssozialisten wie das Sozialistische Büro (SB).
Semlers KPD/AO, 1978 noch Mitbegründer der Alternativen Liste (AL), löste sich im Frühjahr 1980 auf. Der Jurist und Historiker trat daraufhin dem Komitee "Solidarität mit Solidarnosc" bei. Er publizierte in Rundfunk und Zeitschriften wie Kursbuch und Freibeuter mit Schwerpunkt Osteuropa. Seit 1989 ist Semler unverzichtbarer Autor der taz.
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