Wer etwas über den Zustand der SPD erfahren will, sollte einen nicht fragen: Kajo Wasserhövel, Bundesgeschäftsführer der SPD. Parteichef Franz Müntefering will seinen erfolgreichen Wahlkampfmanager mit dem Posten des Generalsekretärs belohnen. Müntefering weiß, was er bekommt: einen 100 Prozent loyalen Kämpfer für die gute Sache. Und die gute Sache ist für Wasserhövel stets die SPD.
Es war im Wahlkampf 2002, eines der Pressefeste im Willy-Brandt-Haus, die gelegentlich am Rande von Parteitagen gegeben werden. Die SPD im Umfragetief, nur noch wenige Wochen bis zur Wahl. Politische Beobachter wissen, dass sich ein Politiker öffentliche Zweifel jetzt nicht erlauben darf. Sobald Kameras und Tonbandgeräte aus sind, sind aber die meisten immerhin noch in der Lage, den Ernst der Situation zu erkennen. Wasserhövel, damals noch Büroleiter von Müntefering, war an diesem Abend wohl der Einzige, der felsenfest von einem Sieg der SPD ausging. Im zurückliegenden Wahlkampf war es nicht anders. Kein Hauch von Selbstzweifel. Wasserhövels Siegeszuversicht klingt, als hätte er gerade mit dem lieben Gott telefoniert, der dem Katholiken bei dieser Gelegenheit versprochen hat, die Sache mit dem Wahlsieg schon zu deichseln.
Zu Müntefering kam der Westfale 1995. Er begann als Redenschreiber im Arbeits- und Sozialministerium. Er sollte seinem Chef die nächsten zehn Jahre nicht von der Seite weichen. Egal ob später als Verkehrsminister im Bund, Fraktionschef der Bundestagsfraktion oder SPD-Vorsitzender - Wasserhövel war immer dabei.
Der 43-Jährige ist nicht einfach nur ein Mitarbeiter aus dem engeren Kreis eines erfolgreichen Spitzenpolitikers. Wasserhövel ist Münteferings Schatten. Einer, der denkt und zuweilen spricht wie sein Chef. Wenn der notorisch misstrauische Müntefering irgendjemandem vertraut, dann seiner Frau - und Wasserhövel. Umgekehrt heißt es, Wasserhövel würde nicht mal seinem Spiegelbild ein Geheimnis verraten.
Genau deshalb will ihn Müntefering als Generalsekretär. Er kann sich in Zeiten der großen Koalition keine plärrende Gegensprechstelle à la Andreas Nahles in der Parteizentrale leisten. Wasserhövel würde dagegen kaum einfallen, eine andere Position als die Münteferings einzunehmen.
Doch das symbiotische Verhältnis kommt nicht gut an in der Partei. Bisher nur belächelt, könnte Wasserhövel zu einem echten Problem werden. Den Genossen ist zu viel Einigkeit suspekt. Wasserhövel muss vom Einflüsterer zum Lautsprecher Münteferings werden und dabei neben seinem Chef auch die Partei im Hinterkopf haben.
THORSTEN DENKLER
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