• 10.02.2007

Vietnam: Kleiner Schritt der USA

Erstmals gibt die US-Regierung Geld für die Beseitigung von Schäden des Agent-Orange-Einsatzes im Vietnamkrieg. Doch von Entschädigungsleistungen will sie nichts wissen

BERLIN taz Erstmals seit dem Ende des Vietnamkriegs haben sich die USA bereit erklärt, für die Beseitigung von Schäden durch das Pflanzengift Agent Orange finanziell aufzukommen. Die US-Regierung will 400.000 Dollar bereitstellen, um ihren ehemaligen Luftwaffenstützpunkt Danang, heute der Flughafen der Stadt, von Resten hochgiftigen Dioxins zu befreien.

Mit insgesamt einer Million Dollar, die fehlenden 600.000 tragen die vietnamesische Regierung und die Ford-Stiftung bei, soll zunächst ein Plan erstellt werden, wie die hochgradig vergifteten Böden gereinigt werden sollen. "Danach", so US-Botschafter Michael Marine gestern vor Journalisten in Hanoi, "beginnt dann der Prozess, die Gelder aufzutreiben, um die Maßnahmen auch durchzuführen."

Von 1961 bis 1971 hatten die USA über Südvietnam rund 79,5 Millionen Liter des dioxinhaltigen Pflanzengiftes Agent Orange versprüht, um die Wälder zu entlauben, den Truppen des Vietkong die Deckung zu nehmen und die Felder unbrauchbar zu machen. Vier bis fünf Millionen Menschen kamen mit dem Gift direkt in Kontakt. Agent Orange, seinerzeit hauptsächlich hergestellt von den US-Firmen Dow Chemicals und Monsanto, enthält das hochgiftige Dioxin TCDD, das bereits in einer Dosis von einem Milliardstel Gramm als Krebs erregend gilt. In Vietnam wurden etwa 366 Kilogramm Dioxin versprüht. Mehr als 100.000 Kinder wurden seit dem Krieg mit schwersten Missbildungen geboren, bis heute treten verstärkt Totgeburten und schwere Schäden auf.

Beim Abzug der US-Truppen aus Vietnam 1973 wurden auf den Luftwaffenbasen große Mengen des Giftes schlicht auf den Boden geschüttet. Die lokalen Behörden rund um die drei ehemaligen Luftwaffenstützpunkte Danang, Phu Cat und Bien Hoa warnen die Bevölkerung bis heute davor, Wasser zu trinken oder in der Nähe der Stationen Lebensmittel anzubauen.

Die Zahlung der 400.000 Dollar ist ein winziger Schritt auf dem Weg, die eigentliche Forderung Vietnams zu erfüllen: Entschädigungsleistungen für die Opfer dessen, was die Vereinigung der Agent-Orange-Betroffenen als "größten Einsatz chemischer Kriegsführung in der Geschichte der Menschheit" bezeichnet. Doch alle Schritte, um US-Regierung oder Chemiefirmen zu Entschädigungsleistungen zu verpflichten, schlugen fehl. Die US-Gerichte weigerten sich, den Agent-Orange-Einsatz als (verbotene) chemische Kriegsführung zu bezeichnen oder auch nur einen Zusammenhang zwischen dem Pflanzengift und den Leiden der betroffenen Menschen anzuerkennen. Zuletzt im März 2005 wurde eine Klage gegen 32 US-Firmen abgewiesen. Im selben Jahr verzeichnete Dow Chemicals den Rekordgewinn von 5,4 Milliarden US-Dollar. BERND PICKERT

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