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  • 06.10.2014

Wowereit verurteilt "feigen Angriff" auf Kirche

RELIGION Empörung über versuchten Brandanschlag auf eine koptische Kirche in Berlin-Lichtenberg

BERLIN dpa | Die imposante Glaubenskirche im Bezirk Lichtenberg, vor hundert Jahren als evangelische Kirche errichtet, ist heute die einzige koptische Kirche Berlins. 1998 von der Koptischen Gemeinde übernommen, wird sie zum Bischofssitz für die ägyptischen Christen ausgebaut. Unbekannte haben hier Samstag früh ein Feuer gelegt.

"In unserer Heimat sind wir gewohnt, dass unsere Kirchen angesteckt werden", sagte der Koptische Bischof für Deutschland, Anba Damian. Damian. "Ich hätte nie im Leben in einem Rechtsstaat wie Deutschland mit so etwas gerechnet". Das sei eine "neue Qualität von Gewalt". Ein 27 Jahre alter Flüchtling, der als Messdiener in der Kirche helfe und dort geschlafen habe, sei zum Glück unverletzt geblieben.

Am Sonntag hatte die Polizei nach der Spurensicherung noch keine neuen Erkenntnisse zum Brand, sagte ein Sprecher. Der Staatsschutz ermittelt weiter. Dabei geht es darum zu klären, ob die "besonders schwere Brandstiftung" direkt die Kirche treffen sollte. Die Täter hatten nach den bisherigen Ermittlungen am Samstag gegen sechs Uhr früh neben der Seitentür der Kirche eine Mülltonne angezündet. Eine Passantin bemerkte das Feuer und rief die Feuerwehr. Da hatten die Flammen bereits auf die massive Holztür der Kirche übergegriffen. Die Feuerwehr löschte den Brand, bevor das Feuer weitere Teile des Gotteshauses zerstören konnte.

Schweinekopf vor Moschee

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sprach in einer schriftlichen Stellungnahme am Samstag von einem "Verbrechen gegen das friedliche Zusammenleben aller Berlinerinnen und Berliner, unabhängig von ihrem religiösen Bekenntnis." Auch Innensenator Frank Henkel (CDU) gab eine Stellungnahme zu dem Brand ab. "Diese feige Tat gilt uns allen". In Deutschland gibt es zehn koptisch-orthodoxe Gemeinden.

Im niedersächsischen Delmenhorst hatten Unbekannte in der Nacht zum Samstag vor einer Moschee einen Schweinekopf abgelegt. Schweine gelten im muslimischen Glauben als unrein. Die Gemeinde hatte sich am Freitag am bundesweiten Tag der offenen Moschee beteiligt. Die Polizei in Delmenhorst hat noch keine heiße Spur zu den Tätern. "Die Ermittlungen laufen", sagte ein Polizeisprecher am Sonntag.