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  • 30.05.2012

CHRISTIAN FÜLLER ÜBER PRIVATE BILDUNG UND STAATSFIXIERTE BILDUNGSBÜRGER

Lasst sie zeigen, was sie können

Die Deutschen haben ein sehr merkwürdiges Verhältnis zu privaten Schulen und Hochschulen. Einerseits leiden sie seit langem schon darunter, dass die staatlichen Bildungseinrichtungen mehr durch bürokratische Verantwortungslosigkeit glänzen denn durch pädagogische Hingabe. Andererseits meint der staatsfixierte Bildungsbürger, private Schulen und Unis seien closed shops für die Schönen und Reichen des Landes. Da passt die Meldung des Wissenschaftsrats, dass künftig auch private Hochschulen mit staatlichem Geld auszustatten seien, prima ins Bild: Das ist ein Aufreger. Staatsknete für private Edelschmieden - niemals!

Doch das ist Quatsch. Eine staatliche Förderung für private Bildungseinrichtungen hätte viele Vorteile: Es würde einen echten Wettbewerb entzünden; es würde für mehr Transparenz bei den privaten Anbietern sorgen - und es würde die soziale Fairness befördern. Mehr staatliches Geld bedeutet nämlich nicht Ungerechtigkeit, sondern im Gegenteil mehr Gerechtigkeit im Bildungszugang.

Beispiel Privatschulen: Sie werden gerade von vielen Bundesländern an die Kandare genommen - durch Kürzung der Zuschüsse. Damit zwingt der Staat die Privatschulen, die zu 80 Prozent freie, konfessionelle oder Waldorfschulen sind, das Schulgeld zu erhöhen, vulgo die Auslese nach dem Geldbeutel zu verschärfen. Beispiel Privatunis: Nicht wenige Privatgründungen dümpeln dahin oder sind pleitegegangen - weil sie zu wenig staatliches und privates Geld bekommen. Eine Aufnahme in die staatliche Programmforschung wäre der richtige Ansatz: Schließlich müssten Privatunis dafür zeigen, was sie können.

Aber das wäre nur der erste Schritt. Den zweiten muss die Industrie machen, die stets über staatliche Unis lamentiert, aber die privaten am ausgestreckten Arm verhungern lässt. Auch sie muss endlich mehr Geld für das Bildungssystem bereitstellen.

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