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  • 10.12.2013

SVENJA BERGT ÜBER DIE KAMPAGNE DER INTERNETKONZERNE

Aber selber sammeln

Drei Nachrichten aus dem Jahr eins nach Snowden: In der neuesten Version des Google-Betriebssystems Android lauscht das Smartphone mittels App mit, um Sprachbefehle zu empfangen. Die Spielkonsole Xbox von Microsoft registriert unter anderem jede Bewegung und die Mimik von anwesenden Personen und überwacht so das Wohnzimmer. Die großen Internetkonzerne - von Google über Microsoft bis Facebook - starten eine Kampagne gegen die Spionageprogramme von Geheimdiensten.

Verlogen? Genau.

Dass die Konzerne Grenzen für die Datensammelei fordern, klingt nach einem schlechten Witz. Sie selbst sammeln schließlich grenzenlos. Die Telefonnummer zum Anlegen eines E-Mail-Accounts, Profile über Interessen und Vorlieben, Informationen zu Freundschaften, Familienbeziehungen, Liebschaften. Dass die gesammelten Informationen irgendwann gelöscht werden - unwahrscheinlich. Warum auch, sie lassen sich zu Geld machen. Dabei ist es längst nicht so, dass die Konzerne nur passiv Daten sammeln, die ihnen Nutzer mehr oder weniger freiwillig anvertrauen, statt, wie Geheimdienste, aktiv in die Privatsphäre der Nutzer vorzudringen. Das Beispiel Xbox zeigt das Gegenteil.

Dass die großen Internetkonzerne sich nun für weniger Überwachung aussprechen, heißt also nicht, dass sie weniger Überwachung wollen. Sie haben nur Angst davor, Nutzer zu verlieren. Denn Datenschützer, Aktivisten und immer wieder auch der scheidende Telekom-Chef werden nicht müde zu betonen, dass es ja Alternativen gebe: Hier, in Deutschland, in Europa. Niemand ist gezwungen, mit Google zu suchen. Keiner muss mit einem Apple-Handy telefonieren. Die EU mit ihren 500 Millionen potenziellen Kunden ist ein Markt, den die Konzerne gerne halten wollen. Zur Not mit groß angelegter PR.

Wirtschaft + Umwelt SEITE 9