die tageszeitung von heute

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Ausgabe von: 20.07.2010
  • LESERINNENBRIEFE

    Mach das Beste draus

     betr.: "Die verlassenen Macchiato-Mütter", taz vom 17. 7. 10

    Vor zwei Jahren hätte ich den Schilderungen der beiden Mütter uneingeschränkt und mit viel aufgestautem Frust zugestimmt. Ich kenne diese Lebenssituation sehr gut. Irgendwann wurde mir klar, dass alles, was in meinem Leben passiert, letztlich von mir entschieden wird, dass ich es bin, die Dinge tut oder lässt. Sicher gibt es Rahmenbedingungen, die ich in meine Entscheidungen einbeziehe, und ich habe Wünsche, wie ich es gerne hätte, nur kann ich darauf nicht immer Einfluss nehmen. Wichtig ist seither für mich, dass ich auch allein entscheide, wie ich mit solchen für mich unangenehmen Situationen umgehe. Ich kann mich hinsetzen und alles Scheiße finden oder ich kann mir sagen: Mach das Beste draus. Ich erlebe meinen Sohn dabei als große Motivation. Von wem soll er denn lernen, mit den Wirren des Lebens umzugehen, wenn nicht von seinen (getrennt erziehenden) Eltern? MEIKE BÖCKE, Hannover

    Schlimme Erfahrungen

     betr.: "Die verlassenen Macchiato-Mütter", taz vom 17. 7. 10

    Worum geht es der Autorin? Um die schwierige finanzielle Lage, in die Frauen nach einer Scheidung kommen können? Um Zeitgeist, Ideologie von Familie und Bürgerlichkeit und Ungerechtigkeit? Um Verlust von Halt bei der Auflösung einer Familie? Die Frauen artikulieren davon wenig, stattdessen rauchen sie, schimpfen und bedauern sich selbst. Als Fazit ein wolkig-düsteres Statement über die Aussichten zuziehender Ehepaare, das so klingt wie die Ankündigung einer Soap in der HörZu: Halleluja, schlimme Erfahrungen, mutig und gründlich aufgearbeitet. WILHELM HENNIG, Stuttgart

    Hilfe von "Oma"

     betr.: "Die verlassenen Macchiato-Mütter", taz vom 17. 7. 10

    Der Artikel hat mich sehr berührt, kann ich mich doch gut noch an die Zeit erinnern, als meine Tochter mich so vollständig in Anspruch nahm, dass die Erkenntnis "kein Urlaub, keine geregelte 40- oder 38-Stunden-Wochen, kein Wochenende frei" mich nach einem halben Jahr krank werden ließ. Natürlich machte der Vater Karriere. Aber dann erfuhr ich vom Oma-Hilfsdienst, den ich nur allen alleinerziehenden Müttern empfehlen kann. Am Mittwoch kam regelmäßig Oma K. und ich hatte frei. Oma K. fühlte sich alleine und erlebte unsere Tochter als belebende Bereicherung, mit der sie schöne Dinge unternahm, meine Tochter liebte diese Ersatz-Oma, und ich freute mich nach diesem Tag wieder auf meine Tochter. Ich empfehle es allen Müttern, es gibt so viele ältere Menschen heute, die noch fit sind und sich danach sehnen, noch "nützlich" zu sein. Im Internet kann man unter dem Stichwort "Oma-Hilfsdienst" auch beispielhafte Initiativen finden. REGINA WEISER

    Alles klappt …

     betr.: "Die verlassenen Macchiato-Mütter", taz vom 17. 7. 10

    Wunderschöner Artikel, schonungslos und aufklärerisch einfach. Es kommt, wie es kommen musste, weil wir es nicht haben kommen sehen. Alles klappt, bis auf die Dinge, die schiefgehen. Dass im Leben der mittleren Generation gewaltig was schiefgeht, ist nicht mehr zu übersehen. Ende der Leichtigkeit, die wenig mehr als Leichtsinn war. Die Ladys und die Typen sind perfekt gentrifiziert, können sich aber nicht mehr leiden. Die Kinder sind überaus anpassungsbereit, aber verelenden noch in der Eierschale. Der Beruf, der die Erfüllung bringen könnte, wird nur noch in Bewerbungen zum Leben erweckt. Was, ja was haben wir uns dabei gedacht! MICHAEL LEIBER, Sinzing