die tageszeitung von heute

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Ausgabe von: 03.02.2011
  • LESERINNENBRIEFE

    Reclaim the future!

     betr.: "Kommunismus. Verlorenes Paradies" von Robert Misik,

    taz vom 29. 1. 11

    Es spricht überwältigend viel dafür, dass wir mit besserer Ressourcenausnutzung und alternativer Energieerzeugung unsere Lebensbasis nicht erhalten werden und wir eine grundsätzlich andere Wirtschaftsweise brauchen. Daher muss schnell, intensiv und unideologisch um Lösungen gerungen werden, und das kann auch bedeuten, "kommunistische" Vorschläge zu propagieren und derlei Ziele anzusteuern. Wir können uns nicht leisten, Lösungsvorschläge, die in die richtige Richtung gehen, nicht zu verfolgen.Wir brauchen viel mehr Leute, die Alternativen zum Bestehenden entwickeln. Reclaim the Future! Ob das Wort "Kommunismus" dabei hilfreich ist oder nicht, ist zweitrangig. Es gibt jedenfalls sehr wohl radikale und kommunistische Linke in Deutschland, die einsatzfreudig, pragmatisch und erfolgreich für Verbesserungen unserer Lebensbedingungen streiten. Wenn der Autor mit denen gesprochen hat, bitte ein Artikel zum Thema, der die Diskussion auch außerhalb von Österreich voranbringt. MARK REDLER, Hamburg

    Zwei fundamentale Irrtümer

     betr.: "Illusorisch und wirklichkeitsfremd", "Planwirtschaft kaum produktiv", LeserInnenbriefe, taz vom 28. 1. 11

    Kati Wspanialas und Christian Rodes Kritiken an Ralf Hutters Kommentar "Ja zum Antikapitalismus" basieren auf zwei fundamentalen Irrtümern. Kati Wspaniala unterstellt einfach, dass eine Rätedemokratie "perfekte Menschen und die Abwesenheit von jeglichem Interessenkonflikt voraussetze". Genau das Gegenteil ist der Fall: Das Konzept der Rätedemokratie zielt zunächst darauf ab, nichtprivilegierte Bevölkerungsgruppen direkt in die Entscheidungsfindung in so zentralen gesellschaftlichen Bereichen wie der materiellen Güterproduktion einzubeziehen. Zweitens bietet sie ja gerade einen institutionellen Rahmen zur Austragung von Interessenkonflikten, mit dem Ziel der gemeinsamen Konsensfindung. Dies schließt die Koexistenz mit anderen Formen demokratischer Entscheidungsfindung überhaupt nicht aus, hält man nicht dogmatisch an "klassischen Grobentwürfen fest, sondern orientiert man sich an den jeweils aktuellen Anforderungen und Möglichkeiten. Rätedemokratische Strukturen können zudem durchaus so gestaltet sein, dass Entscheidungen, je nach Betroffenheit, auf unterschiedlichen Ebenen gefällt werden.

    Und hier schließt sich der Kreis zu dem Trugschluss, dem Christian Rode aufsitzt: Er geht einfach davon aus, jede Form von Planwirtschaft müsse völlig zentralisiert sein und darum sei sie in jedem Fall ineffizient. Wirtschaftliche Planung kann sowohl zentral wie dezentral erfolgen, je nach Notwendigkeit. So wie es eben die Firmenphilosophie nicht weniger kapitalistischer Großkonzerne besagt, geht es um ihre "innerbetriebliche Planwirtschaft". Das Subsidiaritätsprinzip steht eben nicht im Widerspruch zu einer rätedemokratisch verfassten Wirtschaftsdemokratie und der über sie organisierten Planung, sondern wäre für ihr Überleben grundlegend. Und auch im Fall einer demokratischen Planwirtschaft bietet sich die Möglichkeit, markt- oder subsistenzwirtschaftlichen Refugien einen Raum zu geben. ALF ZACHÄUS, Halle an der Saale

    Der Staatssekretär und sein Baby

     betr.: "Die Ministerin und ihr Baby", taz vom 1. 2. 11

    Das wäre ein schöner Artikel, wenn Simone Schmollack auch nur einen Satz für Herrn Schröder gefunden hätte. So tappt sie in dieselbe Falle wie die Ministerin: Es gibt nur sie und ihr Baby. Damit ist jede Kampagne dieser Ministerin für eine aktivere Elternschaft der Väter ad absurdum geführt. Auch ihr Mann - immerhin Staatssekretär - hat viele Möglichkeiten, gemeinsam mit Frau Ministerin für einen modernen Familienentwurf zu werben. JÖRG RUPP, Malsch

    Erhalt von Macht und Privilegien

     betr.: "Proteste gegen Berlusconi", "Italien ist kein Bordell",

    taz vom 1. 2. 11

    So wenig wie Berlusconis Triebleben etwas mit selbstloser Liebe zu tun hat, so wenig auch die Unterstützung Berlusconis durch die Katholiken. Hier geht es um den Erhalt von Macht und Privilegien. Ein Vergleich mit den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts drängt sich auf, als die katholische Kirche Mussolini unterstützte und im Gegenzug den Vatikanstaat und enorme Geldgeschenke erhielt. RALF BÖHM, Berlin