Das taz Print-Archiv

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Ausgabe von: 09.02.2008
  • Am Infotropf von Lauterbach?

    betr.: "Streit über die Gesundheitskarte", taz vom 28. 1. 08

    Nein, liebe taz - so geht es mit euch nicht weiter. Woher kommt eure Ärztefeindlichkeit. Hängt ihr am Infotropf von Lauterbach und Co? Das Zitat "Ärzte fürchten Transparenz" wird von euch einfach als dicke Zeile übernommen.

    Wir Ärzte haben nicht Angst vor Kostenkontrolle, aber gemeinsam mit den Patienten Angst vor Einbruch in die Intimsphäre der Patienten und totale Datenkontrolle im Sinne des Schäuble'schen Überwachungsstaates. Die Interessen der Krankenkassen sind klar: an persönliche Daten heranzukommen, denn mit denen lassen sich beste Geschäfte machen zum Beispiel mit Versicherungen und amerikanischen Datenbanken. Wo Server oder Datenspeicher stehen, lassen sie sich knacken - siehe "absolut sichere" Pentagoncomputer.

    Was wir wollen ist: Verhütung von Datenmissbrauch, Verhinderung von Arzthopping und Missbrauch der Karten. Bei Pauschalisierung der Arztleistung haben wir keine Sorge vor Transparenz - jeder kann sich dann das Arzthonorar an zehn Fingern ausrechnen.

    Übrigens habt ihr früher auch gegen Volkszählung und Datenmissbrauch demonstriert! Es tut weh, dass ihr ins Horn von Interessenvertretungen (wie Gematik) und Industrie (gardasilfreundliche Berichterstattung) tutet und wenig oder kein kritisches Bewusstsein mehr entwickelt. LOTHAR KINDERMANN, Wennigsen

  • Bühne für konservative Regierung

    betr.: "Die Türkei und ihre Leitkultur", taz vom 6. 2. 08

    Ich finde es sehr bedenklich, welche Bühne gerade aktuell in Deutschland dem Vordringen des Islamismus bzw. der Abkehr der Trennung von Staat und Religion in der Türkei geboten wird. Ich kann hier nur für Köln sprechen, aber die ganze Stadt steht vor Plakaten, die den Besuch von Herrn Erdogan ankündigen und unter anderem zu Großveranstaltungen in die Kölnarena einladen.

    Dabei hat der jetzige Besuch in Deutschland einzig zum Ziel, die eher konservativen "Auslandstürken" in Deutschland für die Aufweichung des Kopftuchverbotes und einhergehend auch der Trennung Staat/Islam zu gewinnen. In der äußerst kontrovers geführten Diskussion werden auch diese Wählerstimmen eventuell entscheidend sein, gerade vor dem Hintergrund der ähnlichen Diskussion in Deutschland. Ja ,vielleicht geben sie sogar den entscheidenden Ausschlag in die von der Regierung gewünschte Richtung. Wird die Türkei danach vor einem Militärputsch stehen, wenn das Militär Atatürks Visionen gefährdet sieht? VOLKER H. P. WOLF, Ennigerloh

  • Nur der Geldadel studiert noch

    betr.: "Bezahlstudium: Nur das Kassieren klappt", taz vom 2. 2. 08

    Es sollte eben nur studieren, wer dem Geldadel angehört und auch das nötige Kleingeld mitbringt, ja, dann ist das Problem mit den überfüllten Hörsälen auch bald gelöst.

    Da nützen auch Elterngeld, "Wurfprämie" und Kita nichts. Am Ende kommt die Rechnung eben in Form von Studiengebühren. Und, liebe Eltern, aufgepasst, wenn schon mehr als ein Kind, dann aber möglichst gleichzeitig, denn fast unbemerkt wurde nicht nur die Studiengebühr eingeführt (wie in Bayreuth mit 610 Euro pro Semester), nein, Kindergeld gibt es dafür inzwischen nur noch bis 25 (früher 27). Wer also länger braucht, ist selbst Schuld oder hat eben zu wenig Nachhilfe bekommen.

    Die Folge ist fatal, denn ist das erste Kind über 25, hat man steuerrechtlich plötzlich nur noch eins mit der Folge, dass natürlich sofort das Bafög gekürzt oder gleich ganz gestrichen wird. Die Studiengebühr aber bleibt in voller Härte. PETER SCHMID, Bad Mergentheim

  • Danach begannen die Brände

    betr.: "Nach Brand: Furcht vor neuem Solingen", taz v. 6. 2. 08

    Als es vor Jahren um die Wahl in drei Bundesländern ging, entwickelte die CDU ein Strategiepapier zur Erhöhung ihrer Chancen, die Wahl zu gewinnen. Dort wurde empfohlen und dann umgesetzt: Bei jeder Gelegenheit behaupten, dass wir ein Ausländerproblem in Deutschland hätten. Dies sollte die SPD verunsichern, dass sie dann nicht wisse, wie sie auf Forderungen der Bürger bezüglich des Umgangs mit Ausländern reagieren soll. Danach begannen die Brände …

    Als ich Herrn Koch über jugendliche gewalttätige Ausländer herumtönen hörte und wie mit ihnen verfahren werden sollte (unter möglicher Missachtung des EG-Rechts etc.) und dann später noch diese unsere Bundeskanzlerin, die Koch ihre volle Unterstützung zusicherte, wurde mir Angst und Bange. Hat die allerchristlichste unserer Parteien denn nichts dazugelernt? Mein erste Gedanke war: Wird es bald wieder brennen? ANGELIKA HAMLAOUI, Münster

  • Schönes Racheinstrument

    betr.: "Lehrer hört die Signale", taz vom 4. 2. 08

    Ich bin selbst Lehrerin und habe vor ein paar Tagen die Gelegenheit genutzt, einem ungeliebten Exkollegen eins auszuwischen. Seine Bewertung bei Spickmich fällt nämlich viel zu gut aus. Deshalb habe ich mich unter einer meiner zahlreichen E-Mail-Adressen als Schülerin angemeldet und ihm ein paar schlechte Noten verpasst. Schlecht, aber nicht zu schlecht, denn schließlich sollte meine Bewertung ja nicht unter den Tisch fallen. Und es hat funktioniert! Sein Note ist um eine halbe Note schlechter geworden! Morgen richte ich mir bei einem Freemailanbieter 10 E-Mail-Konten ein und dann lege ich richtig los. Auf solch ein Racheinstrument habe ich schon lange gewartet. UTA SCHMID, Rudolstadt

    Die Redaktion behält sich Abdruck und Kürzen von LeserInnenbriefen vor. Die veröffentlichten Briefe geben nicht unbedingt die Meinung der taz wieder.
  • Unchristliche Gewerkschaften

    betr.: "Kritik an Billig-Gewerkschaften", taz vom 6. 2. 08

    Schon öfter sind mir die unchristlichen Tarifabschlüsse der "christlichen" Gewerkschaften aufgefallen. Unangenehm aufgefallen. Ich frage mich, wer ist denn Mitglied solcher Gewerkschaften? Wer schließt solche Tarifverträge ab, vor denen sich auch Jesus mit grausen abwendete? Welche Beweggründe haben diese Menschen? Oder sind die christlichen (unchristlichen) Gewerkschaften nur eine Tarnorganisation der Arbeitgeber? MARION MANNECK, Essen