Das taz Print-Archiv

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Ausgabe von: 16.07.2008
  • Fragen an die Regierenden

    betr.: "PKK droht mit Angriff auf Deutsche", taz vom 14. 7. 08

    Politisch motivierte Gewaltaktionen wie die jüngste Geiselnahme treffen zumeist unbeteiligte und unschuldige Menschen. Sie sind grundsätzlich abzulehnen.

    Es bleiben aber auch Fragen in Bezug auf das Tun und Handeln unserer Regierenden. Aktionen dieser Art haben in der Regel eine Vorgeschichte wie auch einen Hintergrund. Jetzt heißt es wie üblich, die Bundesregierung lasse sich nicht erpressen. Womit sollen wir erpresst werden? Wir hören, dass die Einstellung der "feindlichen Politik gegenüber dem kurdischen Volk und der PKK" gefordert wird. Was hat es damit auf sich? Warum können wir, die wir uns weltweit für Volksgruppen, nationale Minderheiten, Unabhängigkeits- und Autonomiebestrebungen und Menschenrechte vehement einsetzen, das im Falle der Kurden nicht tun?

    Seit 1984 kämpft die PKK für etwas, was wir jüngst in Tibet und vielerorts massiv unterstützen. Woran wird gemessen, was legitim, Menschenrecht und zu fördern ist und was eben einem gewaltsamen Terror zuzuordnen ist? Gewaltaktionen allein, von welcher Seite auch immer, können kaum das Maß sein. Gewaltlos agieren auch Kräfte nicht, die unsere vorbehaltlose Unterstützung haben. Im Fall der PKK besteht bereits eine Jahre zurückliegende Kette von Gewalt, die eine eindeutige Verurteilung als Terrororganisation schwer begründen lässt. Welche und wessen Interessen sind ausschlaggebend für die Förderung oder Verurteilung solcher Bewegungen?

    ROLAND WINKLER, Remseck

  • Da freut sich die Familienlobby

    betr.: "Eltern an die Macht" und "Sind so kleine Stimmchen", taz vom 10. 10. 08

    Allgemeine, unmittelbare, freie, gleiche und geheime Wahlen sind ein demokratisches Grundrecht. Das in Europa durchzusetzen, brauchte es fast 200 Jahre Kämpfe und Auseinandersetzungen. In anderen Ecken der Welt kämpfen Menschen heute noch dafür. Und da wollen 46 Bundestagsabgeordnete das gleiche Wahlrecht in Deutschland mal eben kippen: Eltern sollen für nicht volljährige Kinder ein Mehrfachstimmrecht bekommen. Na, da freut sich aber die Familien-Lobby von Eva Herman bis Jürgen Borchert.

    Seit kurzem werden Kinderlose durch höhere Pflegeversicherungsbeiträge abgestraft; demnächst durch höhere Rentenbeiträge, wenn, wie zu befürchten, das Bundesverfassungsgericht einschlägigen Klagen von "Familienvätern" stattgibt. Warum nicht gleich Kinderlosen das aktive und passive Wahlrecht aberkennen. Vielleicht ist dann ja endlich Schluss mit dem "Zeugungs- und Gebärstreik egoistischer Selbstverwirklichungslümmel" (Matthias Matussek).

    CLAUDIA PINL, Köln

  • Notwendige Reformen verweigert

    betr.: "Fetisch der Union. Der Streit über die doppelte Staatsbürgerschaft kehrt zurück", taz vom 11. 7. 08

    Die CDU bleibt eine Partei, der es nach wie vor extrem schwer fällt, konservative Werte in die Moderne zu übersetzen. Stattdessen verweigert sie sich notwendigen Reformen und beharrt auf einem Weltbild, das wie das bis 1999 geltende alte Staatsbürgerrecht aus dem Deutschen Kaiserreich stammt. Integration führt nicht zum Erfolg, wenn Menschen dafür einen Teil ihrer Identität Preis geben müssen. Wer für zwei Nationen fühlt, der verdient auch beide Pässe. Die Christdemokraten scheinen bei der Fußball-EM geschlafen zu haben, als ein deutscher Spieler mit Migrationshintergrund bei einem Tor bewusst nicht gejubelt hat aus Achtung vor seinem Geburtsland. Oder sie haben die Geste nicht verstanden!

    RASMUS PH. HELT, Hamburg

  • Wertschätzung sieht anders aus

    betr.: "Der Einbürgerungstest", "Kein Anreiz zur Einbürgerung", taz vom 9. 7. 08

    Es ist erstaunlich, wie Deutschland vor aller, die deutsche Sprache verstehenden, Welt öffentlich macht, dass es mit diesem Land geistig bergab geht. Da denken sich in mühevoller Arbeit einige zu unserer Bildungselite gehörenden Köpfe 300 Fragen mit zusätzlich 900 ein klein wenig bis hin zu total falschen Antwort-Alternativen im breiten Spektrum zwischen "spitzfindig" und "absurd" aus. Statt wie meist in den Schul- und Hochschulbereichen den Kenntnisstand mit offenen Fragen zu überprüfen, verwendet man die schon in den 60er-Jahren aus den USA kommende, heftig kritisierte Testform des Multiple Choice. Die Wertschätzung der an der deutschen Staatsbürgerschaft interessierten Ausländer sollte anders aussehen.

    HARTMUT HAUTZEL, Köln

  • Wasserqualität steigern

    betr.: "Der Kampf um die Stadt", taz vom 12. 7. 08

    Der Widerstand gegen die Vermarktung könnte sich verbinden mit der Forderung nach umfassenden Maßnahmen zur nachhaltigen Steigerung der Wasserqualität. Auch das, nicht nur Verbauung, würde viele Arbeitsplätze schaffen. Um es wieder reinzuholen, könnten ein paar vom Bezirk betriebene Flussbäder angelegt werden, dazu über Vermögenssteuer und "Wasserverschmutzungssteuer", von verschiedenen Industrien und vom Kfz-Verkehr (durch Citymaut), von dem immerhin Öl-, Benzin-, Diesel-, und Reifenabnutzungsreste ins Grundwasser und so auch in die Spree gespült werden.

    BERNHARD WAGNER, Berlin

    Die Redaktion behält sich Abdruck und Kürzen von LeserInnenbriefen vor. Die veröffentlichten Briefe geben nicht unbedingt die Meinung der taz wieder.
  • Mutter oder Vater?

    betr.: "Sind so kleine Stimmchen"

    Die brisante Frage ist jedoch, wer von beiden, Mutter oder Vater, darf denn dann wählen gehen? Vielleicht so: Ist's ein Junge, wählt der Vater, ist's ein Mädchen, wählt die Mutter? Oder vielleicht lieber so: Jeder hat eine halbe Stimme pro Kind … Oder doch lieber: "Wer zuerst kommt, malt (wählt) zuerst, bzw. "der frühe Vogel fängt den Wurm"? Bis allein diese Frage geklärt ist, wird auch mein Jüngster wahrscheinlich selbst zur Urne pilgern. STEPHANIE LUCKE, Karlsruhe