Das taz Print-Archiv

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Ausgabe von: 08.01.2009
  • Militär gegen jedwede Bedrohung

    betr.: "Robust wie nie", "Nicht so viel Ehre für die Piraten",

    taz vom 24. 12. 08

    Die EU-Mission "Atlanta" ist gestartet und wir dürfen mitmachen an "robusten" Militäreinsätzen. Seit 2001 ist die deutsche Marine zwar schon am Horn von Afrika präsent, aber nun hat die UNO den Weg geebnet für ein richtiges militärisches Mandat.

    Es hat den Anschein, dass es mehr und mehr zur Normalität wird, auf jedwede Bedrohung mit weit größerer und vor allem militärischer Bedrohung zu antworten. Der herrschende Zeitgeist verbietet offenbar schon die geringsten Bedenken oder jedes Nachfragen nach Ursachen und anderen weniger gefährlichen Möglichkeiten der Begegnung der Piraterie als einer Form der organisierten Kriminalität. Wo ansonsten auf Gipfeln der mächtigsten Staaten dieser Erde gern und viel über Hilfe im Kampf gegen Armut in der Welt gesprochen wird, da wird im Falle der modernen Seeräuberei gar nicht erst nach Hintergründen gefragt. Mit viel und immer mehr Waffen zu Lande, zu Wasser und in der Luft soll mehr Frieden in der Welt geschaffen werden. Wie und woraus sich die Piratengruppierungen rekrutieren, dazu erfahren wir kaum etwas. Welche Wirkungen der aggressive, räuberische Fischfang reichster Nationen in dieser Region hinterlässt und wie er die Armut und das Elend noch vergrößert, dazu erfahren wir nichts. Der Nährboden für Piraterie ist an Land zu suchen. Davon will man nichts hören. Bestehende dramatische Zusammenhänge bleiben ein Tabu. ROLAND WINKLER, Remseck

  • Investitionen in die Zukunft?

    betr.: "Die große Linkskoalition. SPD und Union überbieten sich mit sozial wohltätigen Vorschlägen zur Konjunkturbelebung" u. a., taz vom 6. 1. 09

    Wenn man die derzeitige Diskussion um die neuen milliardenschweren Konjunkturprogramme verfolgt, fängt man an zu zweifeln, ob die politischen Entscheidungsträger unsere wirklichen zukünftigen Herausforderungen erkannt haben und dagegen angehen wollen. Der Gasstreit mit Russland führt uns wieder vor Augen, wie abhängig unser Lebensstil von den beschränken natürlichen Ressourcen ist. Aber anstatt die Zeichen der Zeit zu erkennen und zu sehen, dass wir unseren Lebensstil und unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit in Zukunft nur stärken können, wenn wir in eine nachhaltige Nutzung der Ressourcen, zum Beispiel erneuerbare Energieträger, investieren, verharrt die Politik primär in alten Lösungsmodellen. Investitionen in zukunftsfähige Umwelttechnologien werden Deutschland jedoch als Hightech-Standort profilieren, unseren Titel als Export-Weltmeister sichern und unseren Wohlstand weiter ausbauen.

    Die derzeit diskutierten Maßnahmen können allenfalls kurzfristig helfen, jedoch fehlt zu einer langfristigen Verbesserung der Lage noch der politische Wille. Dieser wäre jedoch schon allein aus Gerechtigkeitsgründen angebracht, da die zukünftige Generation, von der die bis zu 50 Milliarden Euro geborgt sind, auch von diesem Geld profitieren sollte. RALF BILKE, Bayreuth

  • Energiewende einleiten

    betr..: "Putin steht auf der Leitung", taz vom 7. 1. 09

    Im Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine hat die russische Regierung längst ihren Status als zuverlässiger Lieferant verloren. Russland setzt den Gaspreis und die Lieferung als politischen Preis zur Durchsetzung seiner politischen Interessen offensiv ein und Deutschland sollte auf jeden Fall vermeiden, weiter von russischen Gasimporten abhängig zu werden. Dieser Gasstreit ist auch ein willkommener Anlass, eine Energiewende in Deutschland und Europa einzuleiten. Und die Europäer sollten sich vermehrt um möglichst viele Lieferanten von Gas aus anderen Ländern bemühen. Das macht flexibel und schützt vor möglichen Lieferausfällen aus Russland.

    ALBERT ALTEN, Wernigerode

    Die Redaktion behält sich Abdruck und Kürzen von LeserInnenbriefen vor. Die veröffentlichten Briefe geben nicht unbedingt die Meinung der taz wieder.
  • Hartz IV diskriminiert

    betr.: "Auch Arbeitslose sind Konsumenten", taz vom 5. 1. 09

    Wir wissen doch mittlerweile alle, bzw. sollten es wissen, dass die Hartz-IV-Regelsätze für Erwachsene, Jugendliche und Kinder willkürlich festgesetzt wurden. Auch wenn Politik und geneigte Medien es nicht zugeben wollen: Hartz IV ist eine Strafaktion und Diskriminierung. Politiker reden nur von den Leistungsträgern und Leistungswilligen. Die meisten Hartz-IV-BezieherInnen möchten auch arbeiten, wenn man ihnen eine Chance gäbe. Auch stimmt es nicht, dass die meisten Langzeitarbeitslosen keine Berufsausbildungen haben. Ich kenne sehr viele ALG-II-BezieherInnen, die einen oder mehrere Berufsabschlüsse haben. Die Diskriminierung und Ausgrenzung sollte endlich aufhören. MARION MANNECK, Essen