Das taz Print-Archiv

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Ausgabe von: 30.03.2009
  • Alternativloser Krieg?

    betr.: "10 Jahre Nato-Krieg um das Kosovo: Sündenfall oder Friedensmission", taz vom 23. 3. 09

    In klassischer Pro-contra-Manier geht das taz-dossier das Thema an: Rathfelders "Es musste sein" steht gegen Gaus' "Sieg für den Moment" und Zumachs "Bruch des Völkerrechts" und wird damit entschieden relativiert. Der Krieg musste also vielleicht doch nicht sein? Die friedenspolitisch wesentlichste Aussage finde ich bei Zumach: "Ein ,gemeinsames Vorgehen der UNO' haben die drei ständigen Westmächte im Sicherheitsrat niemals ernsthaft mit Russland erörtert." Das ist auch meine Erinnerung: Eine andere als die militärische Option wurde nicht ernsthaft geprüft.

    Die Bilder auf den Seiten 4 und 5 sprechen aber schon eine andere Sprache: Leidende Kosovo-Albaner neben Steine werfenden vermummten Serben auf der einen, eine intakte Großstadt mit lediglich einer dunklen Rauchwolke auf der anderen Seite: Gab es bei den Bombenangriffen der Nato keine Toten und Verletzten? Die Titelseite setzt diese Verdrehung fort: ein Bild für jeden Technikfreak, bewundernswert "saubere" Technik über eindrucksvoller Bergkulisse. "Alle Ängste und Sorgen bleiben darunter verborgen!" Und in der Ankündigung wird die Reihenfolge der Artikel umgedreht. Am Ende steht: "Der Krieg hat […] neue Hoffnungen gebracht."

    Bettina Gaus hat recht: Am Ende stehen die Nato und ihre Vormacht, bei weltweitem militärischem Engagement, geschwächt da. Aber warum? Wegen zu wenig oder zu viel, zu ausschließlich militärischen Denkens? Brauchen wir nicht vielleicht andere, zivile Strukturen statt Nato? Müssen wir nicht, wie es Zumach im Ansatz hier und deutlicher in seinen anderen Publikationen tut, untersuchen, wie und warum in bestimmten historischen Situationen die militärische Option gewählt und als alternativlos hingestellt wurde - und weiterhin wird? WOLFGANG WIEMERS, Münster

  • Wer viel verbraucht, zahlt viel

    betr.: "Die Sprit-Mogler", taz vom 25. 3. 09

    Dass Pkw unter Alltagsbedingungen mehr Kraftstoff verbrennen als die auf einem Rollenprüfstand ermittelten "Normverbräuche" vorgeben, ist seit langem bekannt und hat die Gerichte schon häufig beschäftigt. Allein schon die physikalische Tatsache, dass der Luftwiderstand eines Fahrzeugs bei zunehmender Geschwindigkeit im Quadrat steigt, die höchste simulierte Geschwindigkeit auf der Rolle jedoch 130 km/h beträgt, macht diese Messmethode unsinnig. Da zukünftig auch noch die Kfz-Steuer von dem daraus errechneten CO2-Wert abhängig gemacht wird und damit für den Neuwagenkäufer zum Vergleichsmaß dienen kann, werden die Hersteller noch trickreicher diesen Prüfablauf beeinflussen. Der einzige gerechte und ökologische Besteuerungsmodus ist über den Kraftstoff zu finden: Wer viel verbraucht, zahlt viel! Wer besonders schnell, besonders viel, besonders schwer oder groß fährt, zahlt eben auch besonders viel Steuer. GÜNTHER SIPPL, Heidelberg

    Die Redaktion behält sich Abdruck und Kürzen von LeserInnenbriefen vor. Die veröffentlichten Briefe geben nicht unbedingt die Meinung der taz wieder.
  • Schwersthubraumabhängige

    betr.: "Union hat Angst vor der Spritze", taz vom 24. 3. 09

    Da debattiert man, ob helfender Heroinersatz für ein paar Schwerstheroinabhängige freigegeben werden soll, während gleichzeitig Milliarden an Steuergeldern für Schwersthubraumabhängige lockergemacht werden ("Abwrackprämie"). Letzteres auf Kosten der Umwelt und letztlich auch der Wirtschaft.

    Der Steuerzahler, auch der "kleine Mann", der sich kaum die ÖPNV-Karte, geschweige denn ein Auto leisten kann, subventioniert die wahren Sozialschmarotzer in den oberen Einkommensetagen - wie auch diejenigen in den Banken, die für Luftbuchungen ohne Gegenwert Milliarden und Abermilliarden an Provisionen, Zinsen und Boni abgezockt haben. Wenn das, was zurzeit im wahren Leben abläuft, ein Film wäre, würde er als "zu verschwörungstheoretisch" verrissen. TIM KARSTEN, Berlin

  • Veganer beschimpft und bespöttelt

    betr.: Leserbriefe zu "Grüße vom Planeten Vegan", taz v. 24. 3. 09

    In beiden Leserbriefen wird die Autorin beschimpft: "anspiritualisierte Schickimicki-schlank-bleib-Veganer", und bespöttelt: "Ihnen entgeht viel …" Sollen wir Veganer uns nun schämen, dass wir nicht artig unser mit Psychopharmaka (gegen die Todesangst) und Wachstumshormonen angereichertes Schnitzel essen, sondern - ach wie umweltschädlich und dekadent - lieber Gemüse?! Wald wird weltweit gerodet, um Futtermittel für Rinder und Schweine anzubauen, deshalb haben wir Soja in Monokultur. Nicht wegen der 0,1 Prozent vegan lebenden Menschen. XENIA FITZNER, Berlin