Das taz Print-Archiv

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Ausgabe von: 04.08.2011
  • LESERINNENBRIEFE

    Orbanismus führt zu Stirnrunzeln

     betr.: "Ungarn: Sozialdemokraten sollen hinter Gitter",

    taz vom 3. 8. 11

    Der Orbanismus führt neben den inhaltlichen Punkten vor allem wegen des Politikstils zu Stirnrunzeln: Die Korruption aufzudecken wäre ja keine schlechte Idee, wenn sie von unabhängigen Richtern erfolge würde. Hier aber dient sie eindeutig der Verfolgung des politischen Gegners, während die Korruptionsfälle im eigenen Lager keine Erwähnung finden. Ähnlich läuft es auch mit der Bewertung der liberalen und unabhängigen Medienblätter. Da werden Online-Leserkommentare rückwirkend zum Grund für eine Überprüfung, während man die Hetztiraden in den parteifreundlichen Zeitungen als bloße Rhetorik abtut. Statt über die eigenen politischen Initiativen Rechenschaft abzulegen, wird auf den Gegner geschimpft - das ist ja auch medienwirksamer. So wird Rhetorik zum politischen Inhalt, werden Kritikern gleich antiungarische Machenschaften vorgeworfen, werden Kontrollmechanismen der Regierung auf Parteiloyalität getrimmt. Das passt gut ins moderne Ungarn, denn über politische Inhalte redet in Ungarn kaum jemand.

    Noch ein Vorschlag, was die europäischen Medien tun können: Schickt endlich ständige Korrespondenten nach Budapest! Macht euch selber ein Bild und zeigt dort eure Anwesenheit, auch dann, wenn kein Giftbecken ausläuft! GERGELY RÁCZ, Mainz

    Grandiose Bankrotterklärung

     betr.: "Die Tea Party hat eingeschenkt", taz vom 2. 8. 11

    Hurra, die USA sind nicht pleite! Die westliche Welt bejubelt die Freiheit ihrer größten Volkswirtschaft, endlich mehr Schulden machen zu können. Was sie gefälligst auch schleunigst tun sollte. Hängt ja die gesamte Weltwirtschaft dran. Welch grandiose Bankrotterklärung des Kapitalismus! FLORIAN LOVIS, Hannover

    Eine tödliche Gift-Party

     betr.: "Die Tea Party hat eingeschenkt", taz vom 2. 8. 11

    Prächtig - diese Darstellung mit der Teekanne. Das ist aber leider eine tödliche Gift-Party, die mit dem angeblichen Kompromiss das Ende der Dollar-Fahnenstange erreichen wird.

    Vor Jahren haben wir die Dollarnote schon einem Stresstest unterzogen. Sie brannte wie Zunder und war ja auch nur grünes Papier. Wie übel, dass auch noch Zinsen und Zinseszinsen dazukommen. Up, up and away … Auf der Dollarnote steht: "In God we trust" - Manche Goldfetischisten ergänzen ein "l", aber das wird am Ende wenig nützen. Das wusste auch schon Gretchen in "Faust I" von Goethe: "Zum Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Ach, wir Armen!"

    Dass ausgerechnet den Ärmsten etwas weggenommen werden soll, macht einen sprachlos. Gibt es da überhaupt noch etwas, was man wegnehmen könnte? KLAUS-G. WALTHER, Reinbek

    Der Partei dient er damit nicht

     betr.: "SPD vor strategischen Fehlern gewarnt", taz vom 2. 8. 11

    Das Unternehmermagazin ist das richtige Organ des Genossen der Bosse, um seine falsche Politik noch einmal zu rechtfertigen. Ich glaube, dass Schröder Ökologie buchstabieren kann, aber mit dem Buchstabieren von Ökonomie hat er sicher seine Schwierigkeiten. Ein Sozialdemokrat muss im Zusammenhang mit Ökonomie auch soziale Gerechtigkeit buchstabieren können.

    Gerhard Schröder täte gut daran, sich aus politischen Äußerungen rauszuhalten, der Partei dient er damit nicht.

    GÜNTER LÜBCKE, Hamburg