Das taz Print-Archiv

Hier können Sie in alten taz-Ausgaben blättern:

 

  • 17.10.2011

Fragwürdige Aufklärung bei Transplantationsstiftung

ORGANSPENDE Jetzt schaltet sich der Stiftungsrat ein. MitarbeiterInnen bezweifeln allerdings Erfolg

BERLIN taz | Selbstbedienungsmentalität, Vetternwirtschaft, Führungsstil nach Gutsherrenart - die Vorwürfe sind haarsträubend. Mitarbeiter der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) hatten sie vorige Woche gegen ihren Stiftungsvorstand erhoben (taz vom 10. und 11. Oktober).

Kritische Mitarbeiter, so hieß es, würden schikaniert, demotiviert und müssten um ihren Arbeitsplatz fürchten. Zugleich wurden die Vorstände Günter Kirste und Thomas Beck für den starken Rückgang bei der Zahl der gespendeten Organe in Deutschland verantwortlich gemacht: Im ersten Halbjahr 2011 sind diese um 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf bundesweit nur noch 1.861 Spenderorgane gesunken - bei einer Warteliste von 12.000 Menschen.

Jetzt hat sich der DSO-Stiftungsrat als Aufsichtsgremium in die Affäre eingeschaltet. Zwar sei ein "ursächlicher Zusammenhang zwischen diesen Vorwürfen und dem Rückgang der Organspendezahlen nicht erkennbar", teilte der Stiftungsrat nach "mehrstündigen, intensiven Gesprächen mit Mitarbeitern der Hauptverwaltung der DSO" am Freitagabend mit. Dennoch habe der Stiftungsrat eine Überprüfung der Vorwürfe durch einen externen unabhängigen Wirtschaftsprüfer beschlossen. Auch wolle man "das weitere Vorgehen" mit dem Regierungspräsident von Darmstadt als zuständiger Stiftungsaufsicht "abstimmen". Der Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hält ein eigenes Einschreiten für unnötig. Er habe jedoch die zuständigen Aufsichtsgremien "um schnelle Prüfung gebeten", teilte ein Sprecher mit.

Ehemalige und aktuelle DSO-MitarbeiterInnen bezweifelten gegenüber der taz den Erfolg der angekündigten Aufklärung: Schließlich habe der Stiftungsrat den Vorstand eingesetzt. Jede Kritik am Vorstand bedeute folglich, dass der Stiftungsrat eingestehe, auf die falschen Leute gesetzt zu haben. Insbesondere die Mitarbeiter in der Frankfurter DSO-Zentrale würden seit Bekanntwerden des Briefes massiv unter Druck gesetzt, sich von dem Schreiben zu distanzieren.

Die DSO ist bundesweit verantwortlich für die Vorbereitung und Durchführung der Organspende. Deren Budget beträgt in diesem Jahr 33,2 Millionen Euro.

HEIKE HAARHOFF