KOLUMNE VON K.-P. Klingelschmitt
Liebe Altersgenossinnen und -genossen der Generation 50 plus links. Was wir so alles zum anständigen Älterwerden brauchen, wissen Sie als eifrige Leserinnen und Leser dieser - wg. Layout neu - arg geschrumpften Kolumne ja längst. Was aber brauchen wir ganz bestimmt nicht? Blogs etwa, in denen man bloggen kann. Oder gar das Twittern; vom Chatten in Quatschräumen (Chatrooms) ganz zu schweigen. Im Grunde brauchten wir eigentlich noch nicht einmal zu wissen, worum es geht, denn vermisst haben wir das alles ja bislang ohnehin nicht. In der durchdigitalisierten Gesellschaft aber sind diese virtuellen Wasserhäuschen (hessisch: Büdcher) inzwischen die elektronischen Einfallstore für die globale Verbreitung von (privatem) Irrsinn jeder Provenienz. Während uns schon die akute Geschwätzigkeit im TV fast zu Tode nervt, klicken sich Millionen von längst an der "Digitalitis" (SZ) leidenden User durch Tausende von Blogs und Internetforen - und/oder richten auch noch selbst welche ein -, quatschen über ihre Computertastaturen überall mit und haben plötzlich zu Themen und Problemen Meinungen (!), von denen sie zuvor nicht wussten, dass sie überhaupt existieren.

Klaus-Peter Klingelschmitt ist Korrespondent der taz in Frankfurt. Das Bild zeigt ihn als Gitarrist der Rockgruppe Dreadful Desire im Jahre 1969. Foto: privat
Wer will, kann auch seinen Arsch - oder sonst was - 24 Stunden lang vor eine Webcam hängen. Irgendwo auf der Welt interessiert sich sicher ein Gesäßfetischist dafür; und schon bietet sich die Einrichtung eines Blogs oder Forums dazu an. Und das genau ist auch der eigentliche (Un-)Sinn der ganzen Chat- und Bloggerei. Weblog is what weblog does, meint etwa der britische Ökonom und Internetspezialist John Hicks. Wem also im richtigen Leben (freiwillig) NIEMAND zuhört, darf im Netz zensurfrei allen alles erzählen; und alle dürfen mitreden. Sich für seriös haltende Blogger etwa halten Blogs deshalb für demokratisch und selbstbestimmt. Dabei sind Blogs (und auch die Foren) für die meisten Blogger und Chatter nur Instrumente zur gnaden- und in jeder Beziehung auch rücksichtslosen Selbstdarstellung und Ventile für das - in der Sache folgenlose, aber doch das Weltklima belastende - Ablassen von heißer Luft. Volksverdummung pur also. And you think, you're so clever and classless and free; but you're still fucking peasents as far as I can see? ("Working Class Hero" von John Lennon). "Jetzt red i" heißt das schon ewig existierende Pendant dazu im Bayerischen Fernsehen. Und das haben wir auch nie geguckt.
Ein Plädoyer gegen die Nutzung des Internet - die größte Erfindung seit dem Rad und der Spaghettizange - ist diese Philippika jetzt nicht, sondern nur ein eindringlicher Appell an die Vernunft, die allerdings - glaubt man Spinoza - wiederum der "Wahnsinn aller" sein soll (!?). Wie auch immer. Was wirklich zählt, ist das REALE Leben. Wir Älteren wissen das längst. Stellen wir uns doch einmal vor, die ganze Chat- und Bloggerei würde umgehend abgeschafft. Die Welt würde NICHTS vermissen. Milliarden von Kilowattstunden Strom könnten eingespart werden. Neue Kohlekraftwerke müssten nicht mehr gebaut und alte Atommeiler könnten sofort abgeschaltet werden. And I think to myself, what a wonderful world (Louis Armstrong).
Rein: Nix.
Raus: Schon wieder nix.
ÄLTER WERDEN
Lust auf hemmungslose Selbstdarstellung?
kolumne@taz.de Morgen: Bettina Gaus über das Fernsehen
Am Münchner Hauptbahnhof gibt es eine Schule, die keine Schule ist, die kein Geld vom Land bekommt – und die mit Jugendlichen lernt, die kein Recht auf Bildung haben.von FELIX MÜLLER

... nicht mehr Hartz IV, so will es Ministerin von der Leyen. Der neue Name soll "von unten" kommen. taz.de macht schon mal ein paar Vorschläge.

Wie jetzt, mit 17 schon alles erreicht? Milliarden gemacht, Romane geschrieben und die Charts geknackt? Auf wen wir wirklich neidisch sind.

Ein Jahr Obama: Nicht nur die Weltpolitik ist seine Bühne. Jetzt gibt es tatsächlich ein Obama-Musical.

Wär doch schade, wir hätten sie nicht notiert...


LE MONDE diplomatique ist die größte Monatszeitung für internationale Politik. Sie erscheint weltweit in 61 Ausgaben – und liegt am 2. Freitag im Monat der tageszeitung bei.>

Element of Crime ist auf Tour durch Mitteleuropa. Sänger Sven Regener erzählt von seinen Erlebnissen im tazblog "Männer mit Spielplan". >

Nach 15 Jahren wechselt unsere Frankreich-Korrespondentin in die USA. Wie es ihr dabei ergeht, beschreibt sie im tazblog "Paris-Washington, Transit".>
Leserkommentare (6)
30.04.2009, 15:39 | Jens:
"Viele kamen allmählich zu der Überzeugung, einen großen Fehler gemacht zu haben...
29.04.2009, 18:16 | Jürgen D. Müller:
Lange nicht mehr so einen ignoranten Quatsch über Blogs gelesen. Hatte scheinbar...
29.04.2009, 17:15 | untergeek:
Tja, sehr lustig. Da kolumniert sich einer in eine Rolle, an die er selber nicht...
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