Ein Komödiant, der Islamisten kritisiert, wird vor seinem Radiosender erschossen. Kurz bevor eine neue Übergangsverfassung verabschiedet wird.von Dominic Johnson

Für diesen Radiosender war der Getötete tätig. Bild: Screenshot kulmiyenews
MOGADISCHU afp/taz | In Somalia ist ein bekannter Komödiant getötet worden. Unbekannte erschossen Abdi Jeylani Malaq Marshale am späten Dienstag, kurz nachdem er seinen Arbeitsplatz beim Radiosender Kulmiye in der Hauptstadt Mogadischu verlassen hatte. Sein Radiokollege Yusuf Keynan sprach von einem „schwarzen Tag“.
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Marshale hatte in seinen Radioshows gerne Witze über die islamistischen Shabaab-Milizen Somalias gemacht. Er hatte sich an Jugendinitiativen beteiligt und war auch im in London basierten somalischen Exilsender Universal TV aktiv. „Zwei Männer schossen auf Marshale und verletzten ihn schwer; später wurde er für tot erklärt“, sagte ein Polizist. Die Schüsse trafen ihn an der Schulter und im Kopf.
Somalia, das seit zwanzig Jahren keine Zentralregierung mehr hat, gilt als eines der gefährlichsten Länder für Medien weltweit. Durchschnittlich einmal im Monat wird ein Journalist getötet.

Abdi Jeylani Malaq Marshale
Der 43-jährige Radiomoderator wurde in Mogadischu, Somalia, erschossen.
Foto: BBCSchnell ändern dürfte sich an diesen Zuständen wenig: Der neue Mord erfolgte, kurz bevor eine Verfassungsgebende Versammlung in Mogadischu am Mittwoch eine neue Übergangsverfassung beschloss, die eine neue politische Ordnung nach Ablauf des Mandats der amtierenden Übergangsregierung am 20. August ermöglichen soll. Doch wird dies in der Praxis noch nichts ändern.
Erst soll eine Versammlung traditioneller Führer ein neues Übergangsparlament bestimmen, das einen Übergangspräsidenten wählt, der einen Übergangspremier bestimmt, der eine neue Übergangsregierung bildet. Die kann dann vier Jahre lang amtieren. In dieser Zeit kann die neue Übergangsverfassung noch geändert werden, bevor sie dem Volk vorgelegt wird – sofern Somalia in dieser Zeit friedlich wird.
In Russland soll die Beleidigung religiöser Gefühle künftig mit Haftstrafen geahndet werden. Die Duma verabschiedete ein entsprechendes Gesetz.

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