Antiterrorkampf im Jemen und in Somalia

Falsche Antwort am Golf von Aden

Der militante Islamismus in Jemen und Somalia gewinnt gefährlich an Einfluss. Statt undurchsichtigen Militäroperationen sollten die USA jedoch auf politische Lösungen setzen.

Inhaftiert: Mutmaßliche al-Qaida-Mitglieder in Jemen. Bild: dpa

Es ist eine Schlacht um Macht und Einfluss im Antiterrorkampf, die derzeit in Washington ausgetragen wird. Natürlich sind die militanten Islamisten, die in Jemen und auch in Somalia immer mehr Einfluss und Aktionsfreiheit genießen und inzwischen als einer der aktivsten Arme al-Qaidas auftreten, eine Bedrohung. Die "Al-Qaida der Arabischen Halbinsel" Jemens und die immer stärkere und aggressivere "Al-Shabaab"-Miliz in Somalia sind Akteure der Destabilisierung nicht nur ihrer eigenen Länder, sondern auch der gesamten Region - der Arabischen Halbinsel und Ostafrikas.

Sollten sie in Sanaa oder Mogadischu Erfolg haben, wäre das der größte Triumph des radikalen Islamismus seit dem 11. September 2001. Aber die Lobbyarbeit, die jetzt von interessierter Seite in den USA betrieben wird, um finanzielle und militärische Mittel in undurchsichtige und schwer kontrollierbare Covert Operations am Golf von Aden umzuschichten, ist keine Antwort auf die politischen Probleme, die dahinterstecken.

Somalia ist schon lange ein zerfallener Staat, Jemen ist von diesem Zustand nicht allzu weit entfernt. In beiden Ländern gibt es rechtsfreie Räume, die sich Akteure des internationalen Terrorismus zunutze machen können. Tolerierung durch die lokale Bevölkerung finden sie deswegen, weil der Westen immer wieder die falsche Karte gespielt hat.

Man fördert lieber Dauerkrieg, als eine Machtübernahme durch Fundamentalisten hinzunehmen, man stützt korrupte Zentralstaatsvertreter gegen lokale Selbstbestimmung, man drückt bei regionalen Alliierten wie Äthiopien und Saudi-Arabien beide Augen zu, ohne zu überlegen, dass dies der Gegenseite Sympathien zufliegen lässt. Sicherheitspolitik sollte eigentlich Stabilität als oberstes Ziel haben, aber in Somalia wie im Jemen war das Ergebnis bisher immer das Gegenteil.

Weil dazu noch Jemen zum Nahen Osten gezählt wird, Somalia aber zu Afrika, obwohl die beiden Länder miteinander eng verknüpft sind, hat es auch kein westliches Land geschafft, eine Regionalstrategie aus einem Guss für das Krisengebiet rund um das Arabische Meer und den Golf von Aden zu entwickeln. Das überlässt man lieber al-Qaida sowie den Piraten und Schmugglern. Denken die USA jetzt ernsthaft, sie könnten in einem Umfeld schwacher oder zerfallener Staaten mit verdeckten Militärschlägen gegen einzelne Personen irgendetwas erreichen?

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Seit 2011 Co-Leiter des taz-Auslandsressorts und seit 1990 Afrikaredakteur der taz.

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