Arbeitskampf bei der Bahn trifft Berlin

Streik auf ganzer Linie

Die Lokführergewerkschaft GDL ruft erneut zum Streik auf. Betroffen sind davon auch große Teile des S-Bahn-Netzes – die Ringbahn etwa fällt komplett aus.

Alle Bahnen stehen häufiger mal still - hier bei einem GdL-Ausstand im vergangenen Oktober. Bild: dpa

BERLIN taz | Seit heute Nacht um zwei Uhr streikt die Gewerkschaft der Lokführer (GDL). Es ist der achte Streik im laufenden Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn (DB) – und der bisher längste.

Vergangenen Donnerstag hatte die Gewerkschaft das Angebot der Bahn abgelehnt. Die GDL fordert 5 Prozent mehr Lohn und eine Stunde weniger Arbeitszeit pro Woche für die Beschäftigten. Bis Sonntagmorgen um neun Uhr soll der Streik dauern. Betroffen ist auch die Berliner S-Bahn, eine Tochtergesellschaft der DB.

Etwa 30 Prozent des regulären Angebots sollen mit dem Ersatzfahrplan aufrechterhalten werden. Insbesondere Strecken, auf denen keine alternativen Fahrmöglichkeiten mit anderen öffentlichen Verkehrsmitteln zur Verfügung stehen, sollen mit diesem Notfahrplan bedient werden. Dort fahren die S-Bahnen dann im 20-Minuten-Takt. Der Ringbahnverkehr fällt komplett aus, hier sind allerdings die Ausweichmöglichkeiten auf U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse relativ gut.

„Auf den Plan kann man sich verlassen“, sagt Holger Auferkamp, Sprecher der S-Bahn Berlin. Bei vergangenen Streiks hatte es Unwägbarkeiten gegeben, zum Beispiel wenn sich Lokführer, die nicht in der GDL organisiert sind, krankmeldeten, um nicht als Streikbrecher zu gelten. Deshalb habe die Bahn nun zusätzliches Personal eingeplant.

Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) forderte die Tarifparteien am Montag dazu auf, „bei allem Respekt vor dem Streikrecht“, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Eine Internetplattform zur Organisation von Mitfahrgelegenheiten wolle man indes nicht zur Verfügung stellen, ergänzte Martin Pallgen, Pressesprecher der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Mitfahrgelegenheiten organisierten sich ohnehin bereits „von unten“ über die sozialen Netzwerke.

Für Stefan Gelbhaar, den verkehrspolitischen Sprecher der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, ist klar: „Der Senat muss jetzt für alle eine klare Informationslage schaffen, und zwar nicht nur für die Berliner, sondern auch für Touristen.“ So müsse es an möglichst vielen S- und U-Bahnhöfen Ansprechpartner geben, die über die aktuelle Lage des S-Bahn-Verkehrs informieren. Denn, so Gelbhaar: „Was in dem Plan steht, ist das eine, wie die Bahnen dann tatsächlich fahren, das andere.“

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