Leichte Annäherung in Mazedonien

Slawische und albanische Delegationsmitglieder zuversichtlich: Fortschritte bei Sprache und lokaler Polizeitruppe. Anschläge überschatten Friedensgespräche

OHRID | ap/rtr ■ | Bei den Friedensverhandlungen in Mazedonien gibt es Bewegung. Gjorgji Spasov, Mitglied der slawischen Delegation, hoffte gestern, dass es schon bald zu einer Einigung mit den Vertretern der albanischen Minderheit kommen könne. Aus Kreisen der Albanerpartei PDP hieß es, die Gespräche gäben ihnen „das Gefühl, dass die Hürden hinsichtlich des Gebrauchs der albanischen Sprache überwunden sind“. Zuvor hatte sich EU-Vermittler François Léotard vorsichtiger über den Verlauf der Gespräche geäußert.

Spasov, der der gemäßigten Sozialdemokratischen Allianz angehört, sagte: „Mazedonisch wird grundlegende offizielle Sprache in Mazedonien und den internationalen Beziehungen sein, aber Minderheiten mit mehr als 20 Prozent Bevölkerungsanteil wird es erlaubt sein, ihre eigene Sprache zu verwenden.“ Fortschritte gebe es auch in der Frage einer lokalen albanischen Polizeitruppe, die die Albaner fordern. Die Mehrheit der Teilnehmer sei der Ansicht, dass ein Vertragsentwurf schon bald unterzeichnet werden sollte.

Überschattet werden die Gespräche in Ohrid von einem Feuerüberfall auf den Konvoi des mazedonischen Innenministers Ljube Boskovski am Sonntagabend. Boskovski, der nach Angaben der Behörden unverletzt blieb, macht albanische Rebellen für den Beschuss der Autokolonne verantwortlich.

Unterdessen sind rund 3.000 albanischstämmige Mazedonier am Sonntag zu einem Besuch in ihr Heimatdorf Aracinovo nahe der Hauptstadt Skopje zurückgekehrt. Nur wenige von ihnen wollten jedoch dort bleiben, wie eine Sprecherin der UN-Flüchtlingshilfe UNHCR sagte. Aracinovo war bei Zusammenstößen zwischen mazedonischen Regierungstruppen und Albanerrebellen Mitte Juni schwer umkämpft und wurde dabei teilweise zerstört. Bis vor kurzem sei der Ort „ein Geisterdorf“ gewesen, sagte die UNHCR-Sprecherin. Zunächst müssten Wasser- und Stromversorgung wieder aufgebaut werden. Mit dem ersten Besuch der Vertriebenen sei nun jedoch ein Anfang gemacht.