■ Das Portrait

Wilmya Zimmermann

„Ich habe heute zum ersten Mal gewählt, das war ein Ereignis für mich.“ Die 49jährige Wilmya Zimmermann aus Poxdorf in Oberfranken hat am Sonntag nicht nur zum ersten Mal gewählt, sondern ist auch gleich gewählt worden. Sie ist damit die einzige Ausländerin, die für Deutschland im Straßburger Parlament sitzt. Denn Wilmya Zimmermann ist Niederländerin. Kandidiert hatte sie auf der Liste der SPD.

Erst das Inkrafttreten der Maastrichter Verträge im Juli letzten Jahres machte es möglich, daß die medizinisch- technische Assistentin als Niederländerin in der Bundesrepublik das aktive und passive Wahlrecht für das Europäische Parlament bekam. Vor 1993 hätte sie dazu erst die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen und die niederländische ablegen müssen.

Das wollte Wilmya Zimmermann aber aus Prinzip nicht. „Ich will meinen niederländischen Paß nicht abgeben“, betont die aktive Gewerkschafterin, die seit zwanzig Jahren an der Universitätsklinik in Erlangen arbeitet.

Erste und einzige Ausländerin, die für Deutschland im Europaparlament sitzt Foto: dpa

Deshalb fordert die frischgebackene Europaabgeordnete die Zulassung von Doppelstaatsbürgerschaften in allen EU-Ländern. Darüber hinaus dürfe aber „die Gleichbehandlung nicht an den EU-Grenzen aufhören“. Bei Arbeitsmöglichkeiten und Wahlrecht müßten alle gleichgestellt werden, „die ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland haben“.

Den hat Zimmermann seit 24 Jahren im kleinen Poxdorf im Landkreis Forchheim. Sie versteht sich inzwischen als „Fränkin mit niederländischem Paß“. Seit 1988 ist sie in der SPD und schaffte es, ohne die „große Ochsentour“ für den aussichtsreichen Platz 35 der SPD-Europaliste nominiert zu werden. „Weil ich eine Frau bin und weil die SPD mit meiner Aufstellung ein Zeichen für das Ausländerwahlrecht setzen wollte“, so vermutet die Forchheimer SPD-Kreisvorsitzende.

In Straßburg will sich Wilmya Zimmermann um Soziales, Arbeits- und Umweltschutz kümmern. Sie will für mehr Teilzeitarbeit kämpfen, „für die Frauen in Deutschland und Europa viel tun“ und auch die Arbeitslosen nicht vergessen. In ihrer Freizeit engagiert sich die stellvertretende Vorsitzende des Gesamtpersonalrats der Uniklinik deshalb nicht nur beim Bund Naturschutz, sondern auch in der Arbeitsloseninitiative der Gewerkschaften. Bernd Siegler