BOULEVARD DER BESTEN: STEFANIE BAUMEISTER

Unerschrocken und gelassen

taz.zahl ich, unser freiwilliges Bezahlmodell für Journalismus im Internet, zu versorgen, lässt man nur für die ganz großen Dinge des Lebens ruhen: Aline Lüllmann befindet sich in Elternzeit, ihre Vertretung Ilija Matusko schreibt als Stipendiat der Ponto-Stiftung an einem Roman. Deshalb musste kurzerhand eine neue, fähige Vertretung der Vertretung gefunden werden: Stefanie Baumeister.

Stefanie hat taz.zahl ich genau zu dem Zeitpunkt übernommen, als die erste große, Print und Online umfassende Kampagne gestartet wurde. Sie stürzte sich direkt hinein: Jeden Tag erreichen die taz seitdem zahllose Briefe, Mails und Anrufe von neuen „tzi“-Mitgliedern, wie taz.zahl ich im hausinternen taz-Slang auch genannt wird. Nicht wenige davon mit interessiert-kritischen Nachfragen, Zahlendrehern in der Kontonummer und anderen Verarztungswünschen. Steffi kriegt das hin, schneidet nebenbei noch schnell ein Video und bleibt gelassen. Wenn das Filofax in Flammen ausbricht, braucht man eine Steffi Baumeister, die geschmeidigen Blickes auf die Stressursachen sieht. Aus ihrem nofretetianischen Kopf mit Pferdeschwanz sehen zwei große, aufmerksame Augen heraus, die Leggins dürfen auch mal ein Loch haben. Es gibt Wichtigeres. Wie macht sie das nur? Steffi wuchs in der dünn besiedelten Gegend des Naturparks Südheide auf, wo das angeblich sauberste Hochdeutsch gesprochen wird und die bedrohte Scharlachlibelle lebt. Eschede kennen die meisten wegen des schrecklichen Zugunglücks 1998, da war Steffi sieben. Vielleicht weiß man auch von den jährlich stattfindenden Nazitreffen, die immer wieder von antifaschistischem Protest begleitet werden. Und wer ist da ganz vorne dabei? Steffi sei schon immer ein kritischer Geist gewesen, sagt ihr großer Bruder. Für den Zeit-Blog „Störungsmelder“, die Jungle World und die taz schrieb und schreibt sie über die Umtriebe der rechten Szene. Statt Frustration sieht man ein lächelndes Gesicht.

Sie kann sich eben zur Not auch über die kleinen Dinge freuen, wie ein Wasserglas Weinschorle in der Kneipe des Vertrauens für lau. Deshalb hier zum Abschluss noch etwas Kleines für Steffi: „Und wir wissen, das ist klar / auch trotz starkem Gegenwind / dass die steinigsten Wege / doch manchmal die schönsten sind.“ (Feine Sahne Fischfilet) DONATA KINDESPERK