BOULEVARD DER BESTEN: ILIJA MATUSKO

Klassenloser Cineast

Manche Menschen lärmen mit Persönlichkeit oder Anliegen, Ilija Matusko tritt gegenteilig auf. Seine Ruhe legt sich wie Blütenstaub auf die Büromöblierung, dringt wie Tigermilch ins Gehirn.

Falls Sie taz-zahl-ich-Mitglied sind, kennen Sie ihn vielleicht vom Telefon. Erhielt er Nachricht über die Kündigung eines monatlichen Beitrags, durchbrach er auch mal die Stille: „Oh nein! Frau […]! Sie war seit 14 Monaten dabei! Aber sie kann es sich derzeit nicht leisten. Hoffentlich geht es ihr bald besser.“ Seien Sie versichert: Ilija Matusko hat Ihre Mails ernsthaft gelesen, sich gefreut, mitgefühlt, sich gesorgt. Die klassenlose Gesellschaft ohne Schranken ist, zumindest was Onlinejournalismus angeht, mit dem freiwilligen Bezahlmodell der taz schon Realität geworden.

Er wuchs im Voralpenland auf, studierte Soziologie, Sozialpsychologie und Politikwissenschaft, er spielt wohl eine solide Rückhand und wäre ein fabelhafter Chronist der Revolution, bräche sie denn morgen aus. Stattdessen schreibt er Filmrezensionen. Man entlauscht ihm im Wortsinne Merkwürdiges, etwa dass es zwei Arten von Dingen im Leben gibt: die einen, die man mit viel Nachdenken enträtseln kann, und die anderen, deren Formen immer mehr verwischen, je mehr man ihnen auf den Grund geht.

Wer ihn nervöse Augen machen sehen will, fragt ihn nach einem Heads-up oder seiner Just-in-time-Performance. Diese Augennervosität wird ganz seinem Sprachgefühl geschuldet sein. Er wird nun für einige Monate auf einem Stuhl in der Nähe des Biosphärenreservats Pfälzerwald-Nordvogesen Platz nehmen und schreiben. Verschiedene taz-Abteilungen recken bereits ihre Finger nach ihm. Bis dahin: ciao-ciao.