Kommandeur i. R. auf Weltreise

Der mutmaßliche kroatische Kriegsverbrecher Ante Gotovina war viel unterwegs

SARAJEVO | taz ■ | Für den Sonntag ist eine große Demonstration in Split angekündigt, schon am Samstag soll es Protestversammlungen in den Küstenstädten Dalmatiens geben. Nach der Verhaftung des Exgenerals Ante Gotovina in Teneriffa beginnen sich in Kroatien die Anhänger des vom Kriegsverbrechertribunal in Den Haag Angeklagten zu formieren. Insbesondere Kriegsveteranen sehen im ehemaligen Kommandeur bei der Rückeroberung besetzten kroatischen Gebietes von Serbien einen Helden.

Gotovina war Kommandeur der militärischen Offensive Oluja („Sturmwind“) in Dalmatien im August 1995. Nach der Militäraktion sind 150 serbische Zivilisten ermordet worden, für deren Schicksal Gotovina vom UN-Tribunal in Den Haag verantwortlich gemacht wird.

Bereits im September, berichten bosnische und kroatische Medien, sei Gotovina von kroatischen Geheimdienstleuten in Teneriffa aufgespürt worden, berichtet die bosnische Zeitung Oslobodjenje. Dort habe er die folgenden Monate unter der Beobachtung des kroatischen Geheimdienstes und der Ermittler von Den Haag zugebracht. Dieser Umstand, so die Quellen, erkläre auch, dass Carla del Ponte kurz vor der entscheidenden Sitzung der EU-Gremien im Oktober ihre Behauptung fallen ließ, Kroatien kooperiere nicht ausreichend mit Den Haag. Die EU entschied danach für die Wiederaufnahme der Gespräche mit Kroatien.

Vorausgegangen war offenbar eine jahrelange Flucht, die Gotovina durch die halbe Welt geführt hat. In dem gefälschten Pass auf den Namen „Kristian Horvath“, den Gotovina bei sich gehabt habe, seien Stempel aus Tahiti, Argentinien, China, Chile, Russland, Tschechien und Mauritius gewesen, sagte der spanische Innenminister gestern in Madrid.