American Pie

Aus für den Verlierer

Die Los Angeles Ramsentlassen Head Coach Jeff Fisher. Der Vertrag des umstrittenen Trainers wurde erst zu Saison­beginn verlängert – trotz­ ­chronischer Erfolglosigkeit

„Das war ja auch Zeit“, sagt Eric Dickerson in der ihm eigenen direkten Art. Die Entlassung von Head Coach Jeff Fisher bei den L. A. Rams am späten Montag traf Klublegende Dickerson nicht überraschend, eher wie eine Erlösung. Der 56-jährige frühere Running Back war einer der größten Kritiker des Trainers und machte keinen Hehl daraus, lieber einen neuen Verantwortlichen an der Seitenlinie seines Exklubs zu sehen.

Die 14:42-Demontage im eigenen Stadion durch die Atlanta Falcons am Sonntag ist Fi­sher letztlich zum Verhängnis geworden. Es war die dritte hohe Niederlage in Folge, das Team hat bei einer Bilanz von 4:9 Siegen bei noch drei ausstehenden Partien längst keine Playoff-Chancen mehr. „Eine solche Entscheidung gehört zu den schwierigsten im Sport“, erklärt Rams-Eigentümer Stan Kroenke. „Jeff hat unermüdlich gearbeitet und eine wichtige Rolle bei der Rückkehr der NFL nach Los Angeles gespielt. Wir werden ihm für seinen Einsatz ewig dankbar sein.“

Allerdings steht durch die Entlassung nun auch die Vereinsführung in der Kritik. Erst vor knapp zwei Wochen wurde bekannt, dass Fishers Vertrag mit Saisonstart bis 2018 verlängert wurde, und das auch noch während einer Serie von drei hohen Rams-Pleiten in Folge. Aber nicht nur der Zeitpunkt der Bekanntgabe, sondern auch die Verlängerung an sich sorgte für Furore: Der 58-Jährige geht nun mit einer Bilanz von nur 31 Siegen in 77 Spielen. Seit der erfahrene Trainer 2012 die Rams übernahm, hatte die Mannschaft stets, besonders offensiv, mit Problemen zu kämpfen – eine Entwicklung, die vor allem Fi­sher angelastet wird. Schon die 0:28-Niederlage gegen die San Francisco 49ers zum Saisonstart deckte die Schwächen der Mannschaft erneut auf. Die folgenden drei Partien wurden dann gewonnen, die Rams schienen auf dem richtigen Weg – dann kam der Einbruch. Aus den letzten neun Partien gab es nur einen Sieg. Bei Punkten, Raumgewinn und First Downs ist das Team das schlechteste der Liga. Die Niederlage gegen die Falcons war zudem die 156. in Fishers Karriere – kein Trainer der NFL-Historie hat mehr.

„Unsere Entscheidung hat ausschließlich mit den Leistungen der Mannschaft zu tun,“ erklärt Rams-Geschäftsführer Kevin Demoff. „Wir wollen sicherstellen, dass ein Spiel wie am Sonntag nicht noch einmal passiert. Ab heute werden wir die komplette Organisation überprüfen.“

Die Fisher-Entlassung ist der Tiefpunkt einer Spielzeit, die die Rückkehr des Footballs nach Los Angeles zelebrieren sollte. Mit großen Fanfaren war die Mannschaft im Sommer zurück in die kalifornische Metropole gezogen, die sie 1994 Richtung St. Louis verlassen hatte. Anhänger aus alten L.A.-Zeiten sollten neu begeistert, junge Fans dazugeholt werden. „Ich will nicht noch mal eine Saison mit einer 7:9-Bilanz oder 8:8 oder sogar 10:6“, kündigte Fisher noch zu Saisonstart an. „Diese Mannschaft ist einfach zu talentiert.“ Die Euphorie ist schnell verflogen. Fisher verstieg sich immer weiter in Rechtfertigungen, legte sich mit dem beliebten, immer noch einflussreichen Dickerson an und verspielte auch bei den Fans den letzten Kredit. Gegen Atlanta blieben zuletzt viele Plätze im Los Angeles Memorial Coliseum leer. „Es ist die richtige Zeit, um eine Veränderung herbeizuführen“, begründet Kroenke den Schritt. „Wir sind alle darauf fokussiert, ein Team aufzubauen, das Los Angeles stolz machen kann.“ Vorerst übernimmt Special-Teams-Coach John Fassel die undankbare Aufgabe, die Saison zu Ende zu bringen.

„Klar komme ich wieder zu den Spielen“, kündigt Dickerson an. Zuletzt blieb er aus Protest den Partien fern. „Jetzt kann ich endlich wieder zu den Spielen ins Stadion gehen.“

DAVID-EMANUEL DIGILI