Verdächtige in Bremen verhaftet

Konflikt Gestern wurde der 15-jährige Syrer aus Bremen beerdigt, der in der Silvesternacht zu Tode getreten worden war. Zuvor verhaftete die Polizei zwei Kurden

Gestern Mittag wurde der 15-jährige Syrer Odai K. zu Grabe getragen. Seine Freunde hielten ein Plakat mit einem Foto hoch – ein Kindergesicht. Rund 200 Menschen waren zur Beerdigung auf den Osterholzer Friedhof gekommen, die Familie wollte eine Grabstätte weit weg von dem Stadtteil Lüssum, wo sie wohnt. Bei der Beerdigung war eine Gruppe von Schülerinnen aus Odais Schulzentrum dabei und seine Lehrerin, aber kein Vertreter der Politik.

Warum musste Okai K. sterben? Seine Familie ist noch nicht lange aus dem Golan-Gebiet vor dem Krieg geflüchtet und wohnt erst seit Kurzem in Bremen-Lüssum. Nach Informationen aus dem Umkreis der Familie wurden die Eltern des Opfers erst eine Woche nach der Silvesternacht von der Polizei vernommen – wenig später, in der Nacht zum Dienstag, verhaftete die Polizei zwei Männer „aus dem kurdischen Kulturkreis“, wie die Staatsanwaltschaft mitteilt. PKK, wird am Rande der Trauerfeier gesagt.

Eine Frau soll mit dem Jungen am Straßenrand gestanden und er ihr mit seinem Feuerzeug bei einer Rakete geholfen haben. „Sprecht ihr Arabisch?“, seien die beiden angesprochen worden. Sie erhielt einen Faustschlag ins Gesicht, der Junge flüchtete – und wurde verfolgt. Er rannte in ein Ladenlokal, doch die dort Feiernden schützten ihn nicht, sodass die Täter ihn zu fassen bekamen. Im Krankenhaus wurden Messerstiche, Wunden, die von abgebrochenen Flaschen stammen, und unzählige Schläge diagnostiziert. Gestorben ist Odai K. an Verletzungen durch Fußtritte gegen den Kopf.

In der Nachbarschaft des toten Jungen wohnen auch kurdische Familien, doch niemand von ihnen war bei der Trauerfeier. Unter den Trauergästen gab es welche, die das nicht gut fanden: „Trauern die nicht?“, fragten sie. Andere zeigten Verständnis: „Unter unseren arabischen Freunden gibt es einige, die Rache nehmen könnten.“ Der Tod von Odai K. wird die Gräben in Bremen-Lüssum weiter vertiefen. Klaus Wolschner