das portrait

Bernd Schmidt,der Theaterintendant, der kein rechtes Publikum will

Foto: Patrick Gutsche/Friedrichstadtpalast

Wäre der Friedrichstadtpalast ein Aida-Kreuzfahrtschiff, dann wäre Bernd Schmidt Kapitän eines riesigen, voll erleuchteten Vergnügungsdampfers, der an der Friedrichstraße in Berlin festgemacht hat. Nun ist das Revuetheater aber eine Bühne des Landes Berlin und Schmidt ihr Intendant – und als solcher hat er gerade für Aufsehen gesorgt mit einer Mail an seine Mitarbeitenden, in der er laut Spiegel-Online eine Art Publikumsbeschimpfung vornimmt.

„Rechtspopulismus ist nicht nur ein Problem im Osten, aber bei uns im Osten ist das Problem am größten“, habe Schmidt geschrieben. Und der Friedrichstadtpalast habe als eine „bedeutende Kulturinstitution“ im Osten auch eine besondere Verantwortung – in der Tat ist das Haus mit seiner wechselvollen Geschichte in der DDR zu einer Art Nationalheiligtum avanciert. Ab 1984 mit modernster Technik ausgestattet war hier stets Weltniveau angesagt: Regelmäßig traten Weltstars auf und auch ansonsten war immer viel Glanz in der Hütte.

Bernd Schmidt stellt sich in seiner Mail vor seine „äußerlich nicht deutsch aussehenden“ Mitarbeitenden, die ihm gegenüber von Ängsten und Anfeindungen von „Volksgenossen“ berichtet hätten – und zieht daraus den Schluss, in Zukunft kein Geld von Hohlköpfen haben zu wollen, die andere Menschen anfeinden oder geringschätzig behandeln, wozu er neben AfD-Wählerinnen („Wer AfD wählte, wusste, dass er auch Nazis in den Bundestag wählt … No fucking excuse“) und „manche Typen mit Migrationshintergrund“ die Homosexuelle und Juden attackieren. Ein impulsiver, etwas hemdsärmeliger Rundumschlag eines Intendanten, der möchte, dass sein Theater „den anständigen Osten“ repräsentiert.

Schmidt, 1964 im westdeutschen Bruchsal geboren und seit 2007 beim Friedrichstadtpalast, engagiert sich allerdings schon lange dezidiert für den Schutz von Minderheiten. 2014 sorgte er für Aufsehen, als er ankündigte, künftig zu Premieren keine Botschafter mehr aus Ländern einzuladen, die Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung diskriminieren – ein Sprecher der Bundesregierung übte darauf hin Kritik an der 83 Staaten umfassenden „Pinken Liste“ des Palastes. Die Community bedachte Schmidt bislang eher mit Preisen ob seines Engagement für LGBTI: 2012 erhielt er den Zivilcouragepreis des Berliner CSD, 2014 den „Maneo-Award“.

Schmidt initiierte auch die Anbringung eines Denkzeichens für die Gründungsväter des Friedrichstadt-Palastes, Max Reinhardt, Hans Poelzig und ErickCharell, enthüllt, die allesamt später Verfolgte des NS-Regimes waren. Er ist zudem Mitglied im Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus.

Schmidt, der vor dem Friedrichstadtpalast unter anderem für das Musiktheater Neuschwanstein (Musical „Ludwig II) tätig war hat den Palast, eine „Eventbude“ im allerbesten Sinne, aus den roten Zahlen geholt und mit Großproduktionen wie „The Wyld“ Erfolge gefeiert. Abseits dessen lehrt der promovierte Betriebswirt als Dozent am Fachbereich Philosophie der FU Berlin. Martin Reichert