Jörn Kabisch Angezapft

Wenig Alkohol ist auch eine Lösung

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Leichte und saure Biere sind das Spezialgebiet der jungen Brauerei „Berliner Berg“ aus dem Hauptstadtbezirk Neukölln. Neulich erst haben die Brauer eine Berliner Weiße vorgestellt, so gemacht, dass man sie lieber pur genießt als sie mit Waldmeister- oder Himbeersirup zu panschen.

Aber die Berg-Brauer gehen darüber noch hinaus. Sie experimentieren mit Hefen, mit dem Zusatz von Früchten, mit der Reifung in verschiedenen Fasstypen. Dass bei den sauren Ergebnissen oft wenig Alkohol im Spiel ist – ganz egal. Dabei hat Leichtbier einen schlechten Ruf, und sich diesen mühsam und weltumspannend jahrzehntelang erarbeitet. Nur drei Beispiele: In den USA begann die Craftbeer-Revolution einst gegen die Millers, Coors und Bud Lites und ihre fade schmeckende, kalorienreduzierte Plörre.

Die ist kaum besser als Beispiel zwei, das viele aus dem Skandinavien-Urlaub kennen: „Lättöl“, das einzig Bierähnliche, das Supermärkte in Schweden führen. Für ein „Starköl“ mit mehr als 3,5 % vol. muss man in die Systembolaget-Märkte, die staatlichen Alkoholabgabestellen. Und in Deutschland? Nennt sich, was Leichtbier ist, Beispiel drei, per Gesetz Schankbier, um sich um die wenigen Promille herumzulügen. Au weia.

Es ist daher gut, wenn Brauer zeigen: Bier braucht keine Alkoholmindestmenge, um zu schmecken. In Süddeutschland gibt es kaum noch ein Lokal, in dem man nicht eine „Leichte Weiße“ bestellen kann, also Weizenbier mit einem Alkoholgehalt zwischen 3 und 4 Prozent. Es gibt derart viel und trinkbare davon, dass ich mich schon seit einiger Zeit wundere, warum es das Getränk bisher noch nicht über den Weißwurstäquator geschafft hat.

Das leichte Bier vom Berliner Berg nennt sich „Radlager“, der Alkoholgehalt ist 2,9 Prozent. Klar, ein Wortspiel, das Lager soll an ein Radler erinnern, aber der Vergleich geht fehl. Das Radlager ist viel dunkler als der Biermix, leicht orange und trübe. Und auch vom Geschmack her was ganz eigenes, eher eine Hopfenschorle.

Auf der Blume liegen ins Bittere gehende Zitrus- und Ananas-Noten. Sie machen sich auch im Mund breit, dort präsentiert sich das Radlager als sehr trockene Angelegenheit und mit Körper, weil der Hopfen pfeffrig an den Gaumen schlägt. Bitter wie ein Campari-Soda, nicht das schlechteste an heißen Tagen. Diese Brauer wissen, was sie tun.