geht’s noch?

Reiche Datenernte

Schon klar, dass Netflix, Amazon und Facebook viel über uns wissen. Aber: Ist Ihnen auch bewusst, was Sie preisgeben, wenn Sie eine News-Seite besuchen?

Netflix’ Aufzeichnungen, nach welcher Szene genau man eine Serie dann nie mehr weitergeschaut hat; Facebooks Protokolle einer verhungerten Freundschaft; Zalandos ­exakte Erinnerung daran, wann man nach Umstandsmode gesucht hat: All das ist Teil der großen Datenernte, die Journalisten von Spiegel Onlinediese Woche eingefahren haben.

Ebenso wie andere Kollegen machen sie sich zunutze, dass Internetfirmen ihren Nutzern laut der neuen Datenschutzgrundverordnung verraten müssen, was sie über sie gespeichert haben. Die Spon-Berichte darüber sind gut, vieles ist richtig. Nur: Schon während man sie liest, sitzt man auf der Spitze des Eisbergs eines genauso gravierenden Problems: des kaputten Onlinewerbesystems nämlich.

Es ist ein Problem und ein Widerspruch, mit und in dem selbstverständlich nicht nur Spiegel Online, sondern praktisch alle News-Websites– oder überhaupt Seiten, die Werbung im Internet ausspielen – leben.

Vereinfacht gesagt ist es so: Um einen Text auf der Newsseite darzustellen, wird nicht nur versucht, Dutzende Cookies zu setzen, es werden auch von anderen Stellen weitere Daten nachgeladen, um die Seite darzustellen. Manchmal sind über hundert sogenannte third party requests. Nicht alle, aber viele von ihnen dienen dazu, Werbung anzuzeigen: Bilder, Videos, Animationen oder was die Werbenetzwerke sonst noch so in petto haben. Im Gegenzug sendet der Browser Daten zurück. Es ist einer von vielen Wegen, wie die Werbewirtschaft erfährt, dass ihre Anzeigen tatsächlich über Bildschirme flimmern und wer sie sieht.

Es ist ein extrem verschachtelter und schwer zu kontrollierender Prozess – weil Anzeigenplätze teils in Echtzeit versteigert werden und die Zahl der beteiligten Akteure riesig ist. Hacker haben bereits demonstriert, dass es in diesem Wirrwarr möglich ist, auch auf populäre Newsseiten Anzeigen einzuschleusen, die auf den Rechnern von Nutzern Schadcode ausliefern. Hinzu kommen Datenschutzbedenken – versucht doch die Onlinewerbebranche so viele Informationen wie möglich über ihre Kunden abzumelken.

Adblocker schienen lange der beste Schutz davor. Und es gibt gute Argumente, sie zu nutzen. Auch wenn dies der Notwendigkeit journalistischer Verlage und vieler anderer, im Netz Geld zu verdienen, entgegensteht.

Da ist er, der Eisberg. Wir sollten nicht so tun, als würden sich unsere Datenschutzprobleme auf die großen Internetkonzerne beschränken. Meike Laaff