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„Man schrammt an Klischees immer entlang“

taz: Herr Flörke, wieso kommt erst jetzt Ihr erster Roman?

Lutz Flörke: Man kann mit Literatur leider nicht genug Geld verdienen. Mit Vera Rosenbusch habe ich eine kleine Reisefirma aufgemacht, die Hamburger Literaturreisen. Ich dachte mir, ich könnte nebenbei schreiben, doch das ging gar nicht. Deswegen habe ich in der Zeit nur kürzere Sachen geschrieben. Als wir uns sagten, dass es auch gut ist damit, habe ich mich hingesetzt und was Längeres geschrieben.

Foto: privat

Lutz Flörke, 62, hat Literaturwissenschaft studiert und arbeitet als Autor, Performer und Dozent.

Was war Ihr Anreiz, einen Roman zu ­schreiben?

Den Traum hatte ich schon länger, da ich gerne mit Sprache arbeite. Und bei einer Kurzgeschichte muss man immer relativ schnell auf eine Pointe kommen. Bei einem Roman hat man einfach viel mehr Möglichkeiten.

Wie würden Sie Ihr Buch kurz und knapp beschreiben?

Es ist ein Liebes-, Abenteuer- und Reiseroman, ein sehr ungewöhnlicher dazu, weil die Ebene des Liebes-, Abenteuer- und Reiseromans immer mit reflektiert wird und man manchmal den Eindruck hat, dass die Hauptperson weiß, dass sie in einem Roman spielt

Was hat Ihren Schreibstil und die Geschichte beeinflusst?

Vor allem meine Reisen. In den Städten, die im Roman vorkommen, bin ich auch gewesen.

Und natürlich die Literatur, es war wichtig, sich immer mit Literatur zu beschäftigen und auf der Höhe der Zeit zu bleiben; nicht nur zu wissen, was früher geschrieben wurde, sondern auch, was aktuell verfasst wird.

Was meinen Sie mit dem Satz „Es gibt kein Leben außerhalb der Klischees“?

Lesung: „Das Ilona- Projekt“

von und mit Lutz Flörke,

19 Uhr,

Kulturhaus Eppendorf,

Julius-Reincke-Stieg 13a

Man muss dazu sagen, dass es eine Person aus dem Buch sagt. Aber man kann ja denken, immer, egal ob im Leben oder im Buch, schrammt man an Klischees zumindest entlang. Man kann nicht wirklich originell sein, denn wenn man es versucht, wird es leicht prätentiös. Dennoch kann man die Klischees immer noch brechen oder gegeneinanderstellen und versuchen, damit auch Spannung aufzubauen.

Welche AutorInnen inspirieren Sie?

Wer relativ wichtig war, kam aus dem Theater: René Pollesch. Wie er normales Leben mit Theoriefetzen und Bildungsresten zusammenbindet – er hat einfach eine collagierte Sprache. Das ist das, was mir Mut gemacht hat, nicht nur diesen Nullachtfünfzehn-Stil zu schreiben, sondern auch mal was anderes zu probieren.