Jörn Kabisch zur „Nationalen Reduktionsstrategie“ im Bereich Ernährung

Salz, Zucker, Optimismus

Leider gibt es noch keine Politik­ampel. Würde man sie Julia Klöckner und ihrem Ernährungsministerium anheften, die Ampel stünde auf Tiefrot. Es wird langsam gesundheitsgefährdend, was dort betrieben wird.

Mit einer „Nationalen Reduktionsstrategie“ will die Ministerin erreichen, dass versteckte Dickmacher in Fertiglebensmitteln reduziert werden. Mediziner sehen den seit Jahren steigenden Anteil von Zucker, Salz und Fetten in Fertigprodukten als hauptverantwortlich an für Übergewicht und den weltweiten Anstieg der Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Strategie, das ist gerade ein Modewort in Klöckners Haus. Dahinter versteckt sich ein Instrument, das längst in die Abstellkammer des Politikbetriebs gehört: die freiwillige Selbstverpflichtung. Sie funktioniert nämlich nicht. Gerade erst ist das, was sich Klöckner nun für Deutschland vorstellt, in den Niederlanden grandios gescheitert.

Die Industrie soll Reduktionsziele, die sie sich selbst gegeben hat, umsetzen. Bis 2025 hat sie dafür Zeit. Dass Klöckner Sanktionen andeutet, wenn es keine Veränderung gibt, empört Verbandsvertreter schon heute. Nur: Der Strategie fehlen in vielen Feldern konkrete Ziele, auch über die Art der Sanktionen steht darin nichts. Julia Klöckner will nicht so pessimistisch sein, dass es so weit kommt, jemanden bestrafen zu müssen.

Woher nimmt sie nur den Optimismus? Als Verbraucher hat man ihn nicht mehr. In Nordrhein-Westfalen gibt es ein Schulmilchprogramm, es wird von der Landesregierung mit viel Geld gefördert und hat auch Kakao mit im Angebot, ziemlich süßen. Die Schokomilch mache schlau und sogar weniger Karies als Wasser, solch dreiste „Fakten“ fanden sich in der Informa­tions­kampagne dazu. Auf Betreiben der Verbraucherorganisation Foodwatch wurde die Werbung gerade gestoppt.

Den überzuckerten Kakao gibt es für die Schüler aber immer noch verbilligt. Vergleichen wir es mal mit dem Dieselskandal. Es ist, als würde die Bundesregierung den Verkauf der schlimmsten Stinker subventionieren – nur eben nicht mehr für sie werben.

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