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Von Frauen,
mit Frauen

Der Donnerstag war ein guter Tag – gemessen an der Präsenz von Autorinnen in der gedruckten taz. Kein Wunder, ging es doch gleich auf mehreren Seiten um die Berlinale, die dieses Jahr so weiblich ist wie nie zuvor. Und dennoch: Selbst an solch einem Tag schreiben in der Berliner taz-Ausgabe weniger Autorinnen als Autoren. Etwa 41 Prozent der Texte kamen am Donnerstag aus weiblicher Feder. Am Dienstag waren es gerade mal 32 Prozent. Das Meinungsressort stellte jüngst fest: Im Januar 2019 schrieben Männer 90 Kommentare, Frauen* 45.

Dass das anders geht, zeigen wir in vier Wochen, am diesjährigen Frauen*kampftag. Unser Plan zum 8. März: eine ganz gewöhnliche Ausgabe zu produzieren, mit Außenpolitik, Wirtschaft, Kultur, Demonstrationen, Sozialpolitik. Aber: Es schreiben nur Frauen*. In Texten und auf Fotos kommen nur Frauen* vor. Frauen* sind die Protagonistinnen, die Expertinnen. Wir verzichten an diesem Tag auf Meinungen, Einschätzungen und O-Töne von Männern.

Zu schwierig? Nein. Etwas mehr Arbeit, das ja. Zu radikal? Da halten wir es mit Ruth Bader Ginsburg. Auf die Frage, wann es genügend Frauen am neunköpfigen US Supreme Court gebe, sagt die berühmte Richterin gern: „Wenn es neun sind.“ Schließlich habe es dort lange Zeit auch neun Männer gegeben – „und niemand hat das jemals in Frage gestellt.“ Und wenn nun just am 8. März eine Revolution ausbricht, angeführt von Männern? Dann täte es am Frauen*kampftag auch mal der Satz: „Mann von Melania Trump verkündet: ‚Die Mauer muss weg.‘“

Patricia Hecht, Dinah Riese