Der Castor-Transport sorgt in Frankreich erstmals für größere Aufregung. Die Polizei geht am Mittwochmorgen bereits gegen Gegner vor.von Rudolf Balmer

Anti-AKW-Protest am französischen Verladebahnhof Valognes. Bild: dapd
PARIS taz/dpa | Die französischen Atomkraftgegner wollen ihren deutschen Mitstreitern Unterstützung bieten. Der Castortransport soll auch in Frankreich von Blockaden, Demonstrationen und Zeltlagern begleitet werden. "Dieses Mal werden so viele kommen wie noch nie", kündigte Charlotte Mijeon von der Anti-Atom-Initiative "Sortir du Nucléaire" an. Sie rechnet mit einigen hundert DemonstrantInnen.
Trotz der üblichen Geheimniskrämerei durch den Atomkonzern Areva und der staatlichen Bahngesellschaft SNCF ist die Abfahrtszeit nach Gorleben den Atomkraftgegnern bekannt. Ungewiss ist lediglich der Fahrplan und die Ankunft. Denn gleich vom Start in Valognes in der Normandie an wollen die französischen Atomkraftgegner dafür sorgen, dass der Castortransport in Richtung Deutschland zu einem Spießrutenlauf wird.
Ziel der Aktionen sei es auch dieses Mal nicht, die Fahrt wirklich zu verhindern oder gar zu sabotieren, heißt es von den französischen Anti-Atom-Initiativen. Es gehe vielmehr darum, die Öffentlichkeit durch möglichst viele Protestaktionen und eventuell auch punktuelle Behinderungen auf die Gefahren dieses hochradioaktiven Mülls aufmerksam zu machen.
In Lieusaint, südlich von Valognes und unweit der Wiederaufbereitungsanlage von Hague, versucht die Polizei seit dem Morgen mit einem Großaufgebot rund 400 Demonstranten zu stoppen, die noch etwa 500 Meter von den Bahngeleisen entfernt sind, über die in einigen Stunden der Castor-Transport fahren soll. Laut Augenzeugen werden die Atomgegner, die seit Montag in der Nähe ein Camp errichtet haben, von zwei Seiten von der Polizei angeriffen. Dabei werde so viel Tränengas eingesetzt, dass man auf dem Feld praktisch nichts mehr sehen könne, sagen Mitglieder von "Sortir du Nucléaire". Auch ein Hubschrauber der Polizei ist im Einsatz, der wohl der Überwachung und Koordinierung aus der Luft dient.
Unterstützt werden sollen die Aktivisten auch von der Bahngewerkschaft Sud-Rail. Wie auch schon bei den letzten Castortransporten durch Frankreich will zudem Greenpeace regelmäßige Strahlenmessungen durchführen und die Werte öffentlich machen.
Vorgesehen sind in den kommenden Tagen mindestens 21 weitere Kundgebungen entlang der möglichen Fahrstrecken, unter anderem in Caen, Rouen, Amiens, Reims, Charleville-Mézières, Straßburg, Metz, Nancy, aber auch nördlich von Paris, wo der Castorzug ebenfalls durchfahren könnte.
Erstmals wappnet sich auch der französische Staat vor mehr Widerstand in der Bevölkerung. Die Schulen in Valognes sind geschlossen, der Zugverkehr in der Region wird eingestellt. Zwanzig Straßen in Valognes und zwei Landstraßen wollen die Behörden am Mittwoch für den Verkehr sperren. Hunderte französische Polizisten sollen die zwölf Waggons bis zur deutschen Grenze begleiten.
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Der Live-Ticker zum Castortransport 2011 zum Nachlesen auf taz.de.
Zur Bilderstrecke "Castortransport 2011".
Am 30. Mai 2011 hat die schwarz-gelbe Koalition ihren Atomkurs radikal verändert. Bis dahin galt der Ausstieg aus dem rot-grünen Atomausstieg, die deutschen AKW sollten bis nach 2030 laufen - also im Schnitt zwölf Jahre länger als mit dem rot-grünen Atomkonsens.
Nun heißt es: Die acht ältesten deutschen AKW bleiben abgeschaltet, die restlichen laufen zum großen Teil bis 2021 oder 2022 weiter. Nach der Atomkatastrophe in Fukushima kippte die Stimmung auch unter den Unionswählern gegen die Atomkraft, die wichtige Wahl in Baden-Württemberg ging für Merkel verloren.
Deshalb nun die Umkehr. Im Eiltempo werden nun Atomgesetz und andere Energiegesetze umgeschrieben. Auch das Genehmigungsrecht für Stromleitungen soll vereinfacht werden. Das Eiltempo soll alle überrumpeln: die Energiekonzerne und ihre Abgeordnetenfreunde ebenso wie die Anti-Atom-Bewegung und die Regierungen der Bundesländer.
Wie die Anti-Atom-Bewegung reagiert; wie das Energiesparen bei Elektrogeräten, der Industrie und den Gebäuden berücksichtigt wird, was auf Mieter und Hausbesitzer zukommt; wie der Verbraucher sich für die Energiewende motiviert - die taz berichtet in diesem Schwerpunkt darüber.
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Leserkommentare
24.11.2011 19:54 | zombie1969
Dieser Zug transportiert gar kein Atommüll. Dieser ist schon längst in Gorleben, auf Umwegen. Dass das die Demonstranten no ...
23.11.2011 14:54 | Jorinde
Ha, beschädigte Gleise und Brand in einem Trafohäuschen...les francais sind immer ein bisschen weiter in ihren Aktionen. ...
23.11.2011 12:23 | Jan
Es gibt bereits in Frankreich, gerüchten nach, erste Gleisbeschädigungen. So dass wohl Reparaturen notwendig werden. ...