Der S-21-Gegner Hannes Rockenbauch zieht sich aus der Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart zurück. Die Politik will er aber weiter aufmischen.von Nadine Michel

Ist noch lange nicht fertig: Hannes Rockenbauch. Bild: dpa
STUTTGART taz | Die Stuttgarter Rathaustür steht für den Grünen Fritz Kuhn weit auf: Drei Tage nach dem ersten Wahlgang zog der S-21-Gegner Hannes Rockenbauch seine Kandidatur für den Stuttgarter Oberbürgermeisterposten zurück. Damit dürften die meisten seiner WählerInnen nun für Kuhn stimmen statt für den CDU-Kandidaten Sebastian Turner.
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Rockenbauchs erste Botschaft lautete am Mittwoch jedoch: „Ich mache weiter“ – zwar nicht als OB-Kandidat, der 32-Jährige schielt bereits auf die Kommunalwahl 2014. Immerhin erzielte der Stadtrat des Bündnisses Stuttgart Ökologisch Sozial (SÖS) beim ersten OB-Wahlgang am letzten Sonntag 10,4 Prozent, während das Bündnis bei der Kommunalwahl 2009 nur auf 4,6 Prozent kam. „Es liegt aber weniger in den Prozentzahlen, was ich so unglaublich finde“, sagte Rockenbauch, „als vielmehr in der Kraft und Dynamik, die ich in den vergangenen Wochen gespürt habe.“
Zudem sei es durch seine Kandidatur gelungen, dass im Wahlkampf „keiner an Stuttgart 21 vorbeigekommen“ ist. Vor allem die Grünen, die zur großen Enttäuschung der S-21-Bewegung das Projekt nach der gewonnenen Landtagswahl nicht beerdigt haben, bekamen dadurch noch einmal das verlorene Vertrauen vor Augen geführt. In Rockenbauch hatten die Enttäuschten eine ernst zu nehmende Alternative.
Eine Wahlempfehlung für den zweiten Wahlgang will Rockenbauch jedoch nicht abgeben. Selbst eine inhaltlich größere Nähe zu Kuhn, die die SPD-Kandidatin Bettina Wilhelm bei ihrem Rückzug betont hatte, erklärte Rockenbauch nicht. „Meine Wähler wissen selbst, was sie tun müssen.“ Kritische Nachfragen, ob er ohne Empfehlung nicht dafür sorge, dass seine WählerInnen womöglich zu Hause bleiben und dadurch Turner ins Amt verhelfen, wies er als Spekulation zurück.
Wer sich für einen Politikansatz entschieden habe, wie er ihn verfolgt, werde auch verantwortungsvoll wählen. Zu seinem Politikansatz gehörte auch, sich zunächst mit seinen über 100 ehrenamtlichen WahlhelferInnen zu beraten, wie er sich nach dem ersten Wahlgang verhalten soll. Bei vier Gegenstimmen und drei Enthaltungen fiel die Entscheidung für den Rückzug deutlich aus.
Mit einem kleinen Etat von 69.000 Euro, finanziert fast allein durch Spendengelder, hatte Rockenbauch einen engagierten Wahlkampf geführt. Dabei setzte er jedoch keineswegs allein auf sein Nein zu S21, sondern auch auf seine langjährige Gemeinderatserfahrung. Seit 2004 ist der diplomierte Architekt Stadtrat.
Erstmals medienwirksam aufgetreten ist Hannes Rockenbauch bei der S-21-Schlichtung – zunächst, als er Seit’ an Seit’ mit Heiner Geißler in die Kameras lächelte, später, als er diesem in der Schlichtungsverhandlung ordentlich Kontra gab.
Es sieht nicht gut aus für die Sozialdemokraten. Drei Monate vor der Wahl befindet sich die SPD in einem Allzeittief. Die Piraten liegen nur noch bei zwei Prozent.

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