Chef bei Ökohändler geht

Hess Natur spart sich die Hipness

Schluss mit Lifestyle, nun kommt die Zahlenfrau: Andrea Ebinger übernimmt allein die Geschäftsführung beim Öko-Versandhändler aus Hessen.

Eine Frau auf einer Wiese

Zwar keine grüne Mode, aber immerhin Mode im Grünen Foto: reuters

BERLIN taz | Hess Natur will wieder weg vom neuen Image der hippen Modemarke. Folgerichtig geht nun der Geschäftsführer, der für das neue Image stand: Nach nur anderthalb Jahren verlässt Vivek Batra den Butzbacher Versandhändler. Zuvor war er Geschäftsführer der Mannheimer Edelmarke Dorothée Schumacher, er sollte Chic ins Unternehmen bringen. Er gehe „aus persönlichen Gründen“, teilte die Geschäftsführung mit. Dem Beirat von Hess Natur stehe er als strategischer Berater weiter zur Verfügung.

Alleinige Geschäftsführerin ist nun Andrea Ebinger, die erst seit etwas mehr als einem Jahr bei Hess Natur arbeitet. Sie muss das Unternehmen aus den roten Zahlen führen, in die es durch mehrere schlechte Saisons gerutscht war. In den vergangenen zwei Monaten mussten deshalb 20 Mitarbeiter gehen, rund 350 Stellen sind übrig.

Für Journalisten als Erstes fühlbar: Die Pressestelle ist aufgelöst, der Pressesprecher entlassen, andere Mitarbeiter sind von selbst gegangen. Die Kündigungen seien „fair“ verlaufen, sagt die Betriebsratsvorsitzende Dagmar Reichardt, es habe etwa keine rechtlichen Auseinandersetzungen gegeben. „Die Herbst-/Wintersaison ist gut angelaufen“, so Reichardt, nun brauche man einen langen Atem, um Hess Natur wieder erfolgreich zu machen.

Die Frage ist, ob der Inhaber, die Schweizer Beteiligungsgesellschaft Capvis, über diese Ausdauer verfügt, oder ob er den Ökohändler mit dem Sparprogramm fit für einen Verkauf machen will. Bislang verneinen die Schweizer solche Absichten. Zur Personalie und dem Stand der Unternehmenskonsolidierung wollten sie sich am ges­tri­gen Donnerstag nicht äußern.

Ebinger sei eine Zahlenfrau, sagt ein Unternehmenskenner. Hess Natur benötige an der Spitze aber eine Persönlichkeit, die die Unternehmenswerte der fairen und ökologischen Produktion glaubhaft verkörpere. Aus diesem Grund sei es auch fatal, sollte erneut eine Kapitalgesellschaft Hess Natur kaufen. Als die Firma vor fünf Jahren verkauft wurde, hatte eine Genossenschaft vergeblich versucht, den Ökopionier zu übernehmen.

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