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Cornelia Funke auf der BuchmesseWarum wir an Feen glauben sollten

Cornelia Funke stellte auf der Frankfurter Buchmesse ihren neuen Roman vor. Ein Versuch, mit Emmas Abenteuern Kinder für die Natur zu begeistern.

Marlene Thaler

Aus Frankfurt Am Main

Marlene Thaler

Als Cornelia Funke, ganz in Schwarz gekleidet, auf die Bühne tritt, applaudiert das Publikum. Gegen das auffällig grelle und kühle Deckenlicht ist das Strahlen von Funke sehr warm. Dafür hat sie einen Grund. Bevor es um das Gespräch über ihren neuen Roman geht, verkündet Funke: „In drei bis vier Wochen wird es hoffentlich die Verträge für eine neue ‚Wilde Hühner‘‑Serie geben.“ Das Publikum applaudiert jubelnd. Der Dreh würde aber erst 2028 starten.

Auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse stellt Funke ihren neuen Roman an verschiedenen Verlagsständen vor. Das Buch „Emma glaubt nicht an Feen“ erschien Anfang September im Insel Verlag. An diesem Freitagnachmittag bespricht sie es mit der Journalistin Katrin Hörnlein am Messestand der Zeit.

Schon einige Minuten bevor sie eintraf, waren alle Sitzplätze belegt. Drum herum hat sich eine stehende Traube an Menschen gebildet. In der ersten Reihe sitzen nur Frauen, allgemein sind deutlich mehr Erwachsene als Kinder hier. Schätzungsweise an die 200 Interessierte haben sich versammelt. „Da fühlt sich ja sogar die Frankfurter Buchmesse heimelig an“, leitet Funke ihre Lesung ein.

Das Wispern nasser Blätter

Mit der Geschichte der elfjährigen Emma will Funke Kinder dazu motivieren, die Natur wieder mehr zu entdecken. Emma liebt die Natur und landet im ersten Kapitel in Brombeersträuchern, obwohl ihre Mutter ihr verboten hat, den Garten zu verlassen. Doch gegen das „Wispern der nassen Blätter“, das Emma hinauslockt, hat die Mutter keine Chance, wie Funke vorliest. An die Eltern appelliert die Autorin, ihre Kinder in die Brombeerranken kriechen zu lassen.

Im Dickicht begegnet Emma einer Hummel – mit Gesicht. „Emma glaubte nicht an Feen, Elfen und all die anderen Geschöpfe, von denen Märchen erzählen. Sie glaubte an Bienen“, liest Funke weiter. Feen würden mehr Insekten ähneln als dem, was viele sich unter Feen vorstellen. „Wir haben zwischendurch diese viktorianischen Feen bekommen, die ganz zivilisiert sind und eigentlich nichts mit Feen zu tun haben“, sagt die Autorin. In ihrem Buch besinne sie sich auf alte Konzepte von Feen: „Das sind Naturgeister, die keine sehr hohe Meinung vom Menschen haben“, erklärt Funke.

Als sie weiterliest, wird Emma von einer Fee schmerzlich gestochen. Von Kindern würde Funke oft gefragt, warum die Feen so gemein zu Emma sind. Dann antwortet die Autorin: „Weil sie nicht begeistert sind, wenn Menschen in die Natur trampeln“. Funke appelliert dafür, schonend mit der Natur umzugehen, sie besser kennenzulernen und neugieriger auf sie zu werden.

„Der Vogel, der eben vorbeiflog, war das eine Lerche oder ein Zaunkönig?“ Funke meint, dass die Erwachsenen erst kundiger werden müssten, um ihren Kindern die Antwort auf diese Frage erklären zu können.

Löwenzahn- und Distelfee

Die Feen – und auch die anderen Bilder in dem Buch – hat Elias Linnekuhl illustriert. Obwohl Funke neben ihrem Beruf als Autorin auch Illustratorin ist, überwog bei diesem Roman die Neugier. Sie sagt zur taz: „Ich war neugierig darauf, wie Elias Linnekuhl meine Feen illustrieren wird.“ Sie habe dem 36-Jährigen vertraut, weil sie bereits wusste, wie schön er Pflanzen zeichne. Die Kinder seien viel beeindruckter von seinen Zeichnungen als von Funkes Geschichte, erzählt sie lachend.

Es sind vier Feen, mit denen Emma zu tun hat. „Ich mag die Löwenzahnfee am liebsten, aber ich fürchte, ich bin eher eine Distelfee, weil ich auch so was Stacheliges habe. Ich finde, die Welt macht einen gerade auch sehr ärgerlich, und da muss man gucken, was man mit diesem Ärger macht“, sagt Funke.

Nach der Lesung sagt eine 30-Jährige aus dem Publikum zur taz: „Cornelia Funke liest ein Kinderbuch vor, und ich bin als Erwachsene trotzdem total gefesselt.“

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