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Schröders Putin-Freundschaft Der unerträgliche Genosse

Lukas Wallraff

Kommentar von

Lukas Wallraff

Wie soll die SPD von der Linken Distanz zu Clan-Chefs fordern, wenn sie den bekennenden Kumpel eines Kriegsverbrechers in ihren Reihen duldet?

A ch, lasst doch endlich den alten, verwirrten Mann in Ruhe! Warum sollte man sich noch über Gerhard Schröder aufregen, der längst nichts mehr zu sagen hat? Der hinterletzte der noch lebenden Ex-Kanzler ist doch genug gestraft, weil ihn seine SPD nicht mehr einlädt und sein Herzensklub Hannover 96 dauernd verliert.

Das könnte man achselzuckend sagen, wenn Schröder einsam zu Hause sitzen und unter schwerem Burn-out leiden würde, wie er kürzlich behauptet hat, um der Aussage in einem Untersuchungsausschuss zu deutsch-russischen Verwicklungen auszuweichen. Sei’s drum. Er hätte eh nichts verraten, ist 82 und wird sich nicht mehr ändern.

Aber Schröder lässt uns ja selber nicht in Ruhe, ganz im Gegenteil. Er drängt sich dauernd vor die Kameras, reist munter um die Welt, vor allem in Richtung Osten, und wird sehr wohl noch eingeladen, zuletzt zur deutschen Einheitsfeier und direkt danach zur privaten Geburtstagsparty von Wladimir Putin in Moskau. Und das ist dann leider doch nicht egal.

Die SPD kann zwar nicht verhindern, dass sich Schröder als gut bezahlter Aufsichtsrat von Moskauer Supermärkten verdingt und dem Massenmörder Putin kumpelhaft die Hand drückt. Schröder darf das machen, wenn es ihm sein Gewissen erlaubt. Aber bitte nicht mehr als Mitglied einer deutschen Regierungspartei. Es ist schlimm genug, dass der Kreml einen Ex-Kanzler als Fan präsentieren kann. Das Etikett „Ex-Kanzler (SPD)“ ist unerträglich.

Ein Parteiausschluss mag juristisch schwierig sein, weil dafür ein parteischädigendes Verhalten nachgewiesen werden muss. Zyniker könnten einwenden, Putin-Nähe sei sogar förderlich, wie die Erfolge von AfD und BSW beweisen. Aber gerade deshalb muss die SPD einen klaren Trennstrich ziehen. Sonst werden auch die amtierenden Regierenden den unberechtigten Verdacht der Kreml-Nähe nicht los. Und wie soll die SPD von der Linken Distanz zu Clan-Chefs fordern, wenn sie den bekennenden Kumpel eines Kriegsverbrechers in ihren Reihen duldet?

Lukas Wallraff

Lukas Wallraff taz.eins- und Seite-1-Redakteur

seit 1999 bei der taz, zunächst im Inland und im Parlamentsbüro, jetzt in der Zentrale. Besondere Interessen: Politik, Fußball und andere tragikomische Aspekte des Weltgeschehens
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13 Kommentare

  • Tazacorte

    Seine Mutter, 1913 geboren und fast 100 Jahre alt geworden, hat ihn und weitere vier Kinder in Armut großgezogen. Ich glaube, sie würde sich im Grabe umdrehen ob dieses... würde wahrscheinlich nicht veröffentlicht. Wie waren wir damals alle froh, als Birne und Konsorten endlich abgewählt worden sind. Ist schon crazy. Der "ich will hier rein"-Sozi wurde zum Hoffnunsgträger. Seine Fallhöhe ist zwar enorm, wird aber von viel Geld abgefedert. Den Rest besort das Beamtensalär. Zum Kotzen...

  • vieldenker

    Gebt dem Gerd ´ne Flasche Bier. Meinetwegen auch ein ganzes Fass - und schiebt ihn endlich ab. Seine Pension darf er dann woanders versaufen, wenn man sie ihm schon nicht wegen „groben Undank“ gegenüber dem deutschen Steuerzahler aberkennen kann.

  • Machiavelli

    Egal ob Schröder für Russland, CDU-Abgeordnete/EX BND Chefs für Aserbaidschan, die Strafe für deutsche Politiker und Beamte, die sich in den Dienst ausländischer Mächte stellen, sollte der Tod sein.

  • a jugovic

    Das Problem ist, in der Linkspartei gibts halt auch so manche, die es genauso wie Schröder handhaben würden, wenn sie könnten. Ihre Gesinnung äußern sie klar, aber sie haben nicht die Beziehungen, um von Putin persönlich eingeladen zu werden.

  • Wanderin

    Die Haltung zu Russland ist enorm widersprüchlich.

    Auf der einen Seite martialisches Brustgetrommel und Hohngelächter beim Thema Aufrüstung ( wobei wir wieder mal annehmen können, dass die Angst der Bevölkerung ausgenutzt wird, um Rekordsummen dubios versickern zu lassen)- und auf der anderen Seite nur Zaudern und Bedenken, wenn es darum geht, die 5. Kolonne Russlands in der deutschen Politik ( AfD) zu verbieten.

    Die AfD, das BSW (vermutlich), "Gazprom Gerhard", usw. werden auch ganz sicher nicht die einzigen Vertreter russischer Interessen in der dt. Politik sein bzw. gewesen sein.

    Betretenes Schweigen auch dazu, dass der Ex- BND Chef käuflich ist, wie schon frühere BND- Beamte: Carsten L verkaufte 2023 Daten nach Russland.

    Wie in der ausl. Presse zu lesen ist, trauen uns andere "befreundete" Geheimdienste schon lange nicht mehr aufgrund dieser Gemengelage, da sie unsere inneren Strukturen für kompromittiert halten. Infolgedessen werden auch schon lange nur die Informationen an den BND weitergegeben, bei denen man rechnet, dass Russland sie ebenfalls erhalten wird. Aber solange es beim Thema "Innere Sicherheit" nicht um "den Islam" geht, interessiert das wohl auch keinen!

  • Philippo1000

    Diese Argumentation wird der Problematik des Antisemitismus nicht gerecht.



    Die führenden Vertreter*Innen der drei linken Parteien Berlins haben sich geeinigt, weil sie die Tragweite des Problems erkannt haben.

  • Klartext

    Wenn man Abkommen mit den Taliban schliesst und den (ehemaligen) Terroristen und jetzigen syrischen Präsoidenten nach Berlin einlädt, dann darf ja wohl auch mii Putin gesprochen werden.

  • shitstormcowboy

    Schröder war schon immer ein selbstgerechtes A####loch, daran hat sich nur geändert, dass er heute ein noch größeres ist.

  • Deep South

    "Und wie soll die SPD von der Linken Distanz zu Clan-Chefs fordern, wenn sie den bekennenden Kumpel eines Kriegsverbrechers in ihren Reihen duldet?"

    Na ja, schon richtig, aber auch bisserl wohlfeil. Ich finde auch, dass es da jetzt nen neuen Anlauf geben muss. Und Typen wie Stegner oder Mützenich, die Schröder verteidigen, sind sowieso unerträglich.



    Aber im Gegensatz zu den Pappenheimern der Linken, ist Schröder in keiner aktiven Position und die SPD hats wenigstens schon mal probiert, während bei Kocak eine höchst halbgare Entschuldigung ausreichend scheint.

  • Gerald Müller

    Russland ist eine Atom- und aich eine Wirtschaftsmacht, hat Rohstoffe wie wir brauchen und wird auch noch in 50 Jahren existieren. Wenn der derzeitige Krieg vorbei ist, werden wir wieder mit Putin reden müssen und dann brauchen wir Leute wie Schröder. Oder sollen wir etwa Wadephul hinschicken? Den nimmt doch mittlerweile niemand mehr für voll. Und Putin mit Remmo zu vergleichen, naja.

    • Elite123

      @Gerald Müller:

      Danke, jemand mit Weitsicht.



      Ein Wadephul, oder noch besser, Baerbock und Kiesewetter, die werden noch in Moskau auf der no fly list stehen, wenn der Putin schon längst die Radieschen von unten sieht.

    • Elite123

      @Gerald Müller:

      Danke, jemand mit Weitsicht.



      Ein Wadephul, oder noch besser, Baerbock und Kiesewetter, die werden noch in Moskau auf der no fly list stehen, wenn der Putin schon längst die Radieschen von unten sieht.

  • Klaus Waldhans

    Der machtgeile Egomane Schröder hat die Abwahl als Kanzler vor über 20 Jahren immer noch nicht verwunden. Ausschluss aus der SPD wäre das mindestens, aber bitte zusammen mit seinem Adlatus Stegner.