Die Opposition ist entsetzt über ein mögliches Spionageschiff vor der syrischen Küste. Der Regierung zufolge sind solche Schiffe seit Jahren routinemäßig in der Region.von Anja Maier

Was guckst du? Bild: dapd
BERLIN taz/dapd | Spionage oder Aufklärung? Diese Frage beschäftigt aktuell Teile der Opposition. Es geht um das deutsche Flottendienstboot „Oker“, das im östlichen Mittelmeer kreuzt. Die Bild am Sonntag hatte gemeldet, das Schiff könne Truppenbewegungen bis zu 600 Kilometer tief in Syrien beobachten.
Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?
Die gewonnenen Erkenntnisse, etwa über Militäraktionen des Regimes Assad, würden an amerikanische und britische Dienste weitergegeben. Diese wiederum könnten die Informationen den syrischen Rebellen zur Verfügung stellen. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums bestätigte am Montag, dass die „Oker“ im östlichen Mittelmeer unterwegs ist.
Bei dem Einsatz handele es sich aber keineswegs um Spionage. Das Schiff, ein Flottendienstboot, sei eine unbewaffnete „Frühwarn-, Fernmelde- und Aufklärungseinheit“. Solche Schiffe operierten in der Region „seit Jahren routinemäßig“.
Regierungssprecher Steffen Seibert antwortete auf die Frage, ob die von der deutschen Marine gesammelten Informationen weitergegeben würden: „Ganz generell halte ich es für normal, dass Erkenntnisse auch mit Nato-Partnern geteilt werden können.“ Im Übrigen, so Seibert, sei die Bundesregierung in dieser Sache nur dem Parlamentarischen Kontrollgremium (PKG) auskunftspflichtig.
Der Bundestagsabgeordnete Christian Ströbele erwägt nun, das PKG zeitnah anzurufen. Ströbele, der für die Grünen in dem Gremium sitzt, sagte der Neuen Osnabrücker Zeitung: „Über Einsätze der Bundeswehr muss immer noch der Bundestag entscheiden.“ Sollte der Bundesnachrichtendienst Informationen an syrische Rebellen weiterleiten, sei dies nicht mit dessen Aufgabenbeschreibung vereinbar. „Der BND soll Informationen für die Bundesregierung sammeln, nicht in einen Bürgerkrieg eingreifen.“
Der Chef der Linkspartei, Bernd Riexinger, sagte, Deutschland dürfe sich nicht in einen Krieg hineinziehen lassen. „Wir haben eine Parlamentsarmee, keine Geheimdienstarmee.“ Der SPD-Bundestagsabgeordnete Fritz-Rudolf Körper dagegen verneinte gegenüber dem Deutschlandfunk die Frage, ob Deutschland sich in diesem Fall indirekt an einem Krieg beteilige.
Seiner Einschätzung nach sei der Einsatz durch das Bundestagsmandat Unifil gedeckt, sagte das PKG-Mitglied. Unifil, eine UN-Mission vor der libanesischen Küste, hat der Bundestag gerade erst bis Juni 2013 verlängert. Derzeit beteiligt sich die deutsche Marine daran mit 219 Soldaten. Die Verlängerung hatte die schwarz-gelbe Koalition unter anderem mit den politischen Spannungen in Syrien begründet.
Wolfgang Gehrcke, Mitglied im Fraktionsvorstand der Linkspartei, widersprach Körper unmittelbar. „Das Unifil-Mandat wurde zur Befriedung des Bürgerkriegs im Libanon und als Instrument gegen Waffenschmuggel geschaffen“, wetterte Gehrcke. Er erwarte jetzt, dass der Auswärtige Ausschuss zusammentritt und die Bundesregierung das Parlament aufklärt.
Anders als gern dargestellt, ist der Einsatz von Spionageschiffen der Bundesmarine vor Syrien durch kein Bundestagsmandat a ...
Erlaubt ist, was gefällt. ...
Die einen nennen es "„Frühwarn-, Fernmelde- oder Aufklärungseinheit"; andere schlicht Spionageschiff. ...
Heute ist Deutscher Entwicklungstag. FDP-Minister Dirk Niebel hat den ins Leben gerufen. Und sich so selbst eine Wahlkampfbühne bereitet. von Hanna Gersmann

Der heißeste Ort der Welt, ein Tiger macht Kopfstand und Bäume in Käfigen. Unsere Bilder der Woche.

Bond-Schurkin, Stil-Ikone, Musikerin: Das Gesamtkunstwerk Grace Jones hat Geburtstag.

David Beckham beendet seine Fußballer-Karriere. Wird er jetzt etwa Vollzeitpapa, Model oder Frührentner? Ach, uns fallen da noch ein paar andere Sachen ein...

Ein echt fieser Augapfel, ein Harley-Davidson-Skelett, Buddha hat Geburtstag und jede Menge Quallen. Unsere Bilder der Woche.


Für alle, die mitreden wollen
Der lange Abschied vom Wachstum, Kriminalität ohne Grenzen, der Kampf um die richtige Landwirtschaft, Sozialpolitik gegen den sozialen Fortschritt, die überfällige Reform der UN: Der neue Atlas der Globalisierung von Le Monde diplomatique veranschaulicht auf 176 Seiten und in über 150 neuen Karten und Infografiken in welchem Tempo die Globalisierung voranschreitet und die Welt verändert.