Die Woche

Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

Bei #MeDreiundfuffzig wird's öde: Wenn auch Linkshänder und Innenminister ihr Elend an der Welt an ihrer Diskriminierung festmachen.

Innenminister Horst Seehofer sitzt auf einem roten Sofa

Die Konzentration vor dem ersten Tweet: Innenminister Horst Seehofer Foto: dpa

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in der vergangenen Woche?

Friedrich Küppersbusch: Als SPD, Grüne und Linke eine Mehrheit hatten – bis 2017 – gab es keine „linke Sammelbewegung“.

Und was wird besser in dieser?

SPD, Linke und Grüne haben auch nach Umfragen keine Mehrheit. Dafür die Bewegung.

Die Causa Özil wird beim DFB trotz all der Diskussionen noch immer tollpatschig unter den Teppich gekehrt: Nun sagte Manuel Neuer, für seinen Erfolg müsse das Team „wieder die Spieler dahaben, die wirklich stolz sind, für die Nationalmannschaft zu spielen“. Was meint der Mannschaftskapitän bloß damit?

Sich? Auf seiner Armbinde steht treudeutsch „Spielführer“, und der wird nach den Statuten vom Trainer „ernannt“ – Sie verlassen jetzt den demokratischen Sektor. Bemerkenswert an Neuers Äußerung ist also vor allem das lange Schweigen vorher – anderswo wird der „Kapitän“ gewählt und hätte sich als erster zur Causa äußern und vor die Mannschaft stellen müssen. Neuers Einladung zur Diskussion über „Spieler, die wirklich stolz sind“ aufs Nationale, ist großzügig abzulehnen. Das deutlich schlimmere Missverständnis ist: Er will Spieler tauschen statt der Haltung. Gegen eine neue Haltung, mit der Spieler bleiben können.

Dieses Jahr zwingt das Sommerloch ausnahmslos alle Medien dazu, sich ausführlich mit dem Thema Rassismus auseinanderzusetzen – auch dank der Twitterkampagne #MeTwo. Sollten wir vielleicht die Strategie weiterverfolgen und die nächste Debatte über strukturelle Ungerechtigkeiten auf Juli 2019 verschieben?

Bemerkenswert an Neuers Äußerung ist vor allem das lange Schweigen vorher

Bei #MeDreiundfuffzig wird’s öde. Wenn auch die Linkshänder, Laktoseunverträglichen und gehässig missverstandenen Innenminister ihr Elend an der Welt an ihrer Diskriminierung festgemacht haben. Mein Anderssein zu feiern, um beleidigt in der Ecke sitzen zu können, ist der halbe Weg. Die andere Strecke heißt: Suche nach Gemeinsamkeit.

In Bayern wurden die ersten Ankerzentren eröffnet. Innenminister Seehofer verkündete derweil, mit dem Twittern anfangen zu wollen – um Fake News zu bekämpfen. Welche Wahrheiten erhoffen Sie sich von ihm?

Da es bereits seit Oktober 2008 einen Seehofer-Account bei Twitter gibt: dass der Fake ist. Respektive der übliche Pressestellen-Praktikant, der als His Master’s Voice die Nutzer beschummelt. „Ich sehe mich jetzt gezwungen, weil manche Wahrheiten ich sonst nicht unter eine breitere Bevölkerung bekomme“, derart holpriges Migrantendeutsch hätten Profi­journalisten sicher wohlwollend geglättet. Im Bierzelt ist die Bevölkerung naturgegebenermapen ziemlich breit, und dass der Verfassungsminister die Meinungsfreiheit für gescheitert erklärt, geht da auch durch.

Union und auch Sozialdemokraten ventilieren eine Wiedereinführung der Wehrpflicht. Die Junge Union prescht mit einem „verpflichtenden Gesellschaftsjahr“ vor. Hamsejedient?

Marschbefehl ist das Re­kru­tie­rungsproblem – die Bundeswehr findet zu wenige und noch weniger geeignete Überzeugungstäter. Und der „BufDi“ konnte den Zivildienst nie ersetzen. Da setzt der JU-Vorschlag an: ab 18, Männer und Frauen. Und damit die Bundeswehr auch wirklich nur schussbereite Kampfeinsätzlinge bekommt: vorher eine Gewissensprüfung. Wer nicht überzeugend darlegen kann, irgendwo in der Welt herumtöten zu wollen, macht obligat Zivildienst.

Das französische Parlament hat in dieser Woche ein Gesetz zur Verbannung von Smartphones aus Schulen durchgebracht. Brauchen wir das auch?

Gibt es schon, und zwar in Bayern. Studien sprechen von größerem Lernerfolg besonders bei schwächeren Schülern. Dagegen fuhrwerkt die Industrie mit Lernprogrammen, Unterrichtsmaterialien und „Ihr könnte die Formel nachher von der Tafel abfotografieren“. Wenn ich als Lehrer gegen die Schmuddelkonkurrenz und Reizflut aus dem Mobtel anpredigen müsste, würde ich’ne SMS an „burn out schnelle Hilfe“ schicken. Ja, weg damit.

Apropos Smartphones: Auf WhatsApp gibt es bald Werbung, obwohl die Gründer das immer ablehnten. Ist das Grund genug, die App zu löschen?

Yahoo, AOL und viele andere haben ihre arbeitslosen Chatprogramme gerade eingestellt. Schlechter guter Zeitpunkt für WhatsApp, die Schlinge enger zu ziehen.

Und was machen die Borussen?

Halten wohltuend den Mund zur großen Özil-Nachbereitung. Fragen: fay, lgu

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