Nun steht ein Nachfolger der umstrittenen Saskia Ludwig an der Spitze der gespaltenen CDU-Fraktion in Brandenburg fest. Sein Name: Dieter Dombrowski.von Anja Maier

Neuer Fraktionschef: Dieter Dombrowski hat ein bewegtes Leben. Bild: dpa
BERLIN taz | Seit 22 Jahren ist Dieter Dombrowski in der Brandenburger Politik – erst jetzt ist er oben angekommen. Gestern wählte ihn die CDU-Landtagsfraktion zum neuen Vorsitzenden. Das wurde auch Zeit: Dombrowski ist 61 Jahre alt.
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Der Mann aus Ostberlin hat ein privat wie politisch bewegtes Leben. Nach seiner Malerlehre und der Armeezeit wurde er 1974 wegen versuchter Republikflucht und „staatsfeindlicher Verbindungsaufnahme“ zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Zwanzig Monate saß er ab – erst dann wurde er freigekauft.
In Westberlin trat er 1977 in die CDU ein, Mitte der Achtziger wurde er Kreisvorsitzender der Jungen Union, dann Referent im Bundestag. Aus seinem Antikommunismus machte Dombrowski, der auch im Westen bespitzelt und bedroht wurde, nie einen Hehl; so mauerte er symbolisch den Eingang des Westberliner Aeroflot-Büros zu. Und 2009, als in Potsdam eine rot-rote Landesregierung vereidigt wurde, tauchte er im Plenum in DDR-Häftlingskleidung auf. Die Bilder des Eklats liefen bundesweit.
Als die Mauer fiel, war Dieter Dombrowski zurück in den Osten gegangen, nach Brandenburg. Er wurde CDU-Landrat in Rathenow, ab 1994 ging er in die Landespolitik und wurde stellvertretender Landesvorsitzender. Als jedoch Ende der Neunziger der umstrittene Jörg Schönbohm Chef wurde, musste Dombrowski gehen. Er wurde umweltpolitischer Sprecher und verdiente seine Brötchen bei einer Beratungsgesellschaft.
2007 hinterließ Schönbohm eine heillos zerstrittene Landespartei, Dombrowski wurde Generalsekretär unter wechselnden Fraktionschefs. Die Kämpfe in Brandenburgs CDU drehen sich seit Jahren um Ost- und Westgrabenkämpfe zwischen Pragmatikern und Ultrakonservativen. Auf die Spitze hat diesen Konflikt die kürzlich geschasste Partei- und Fraktionschefin Saskia Ludwig getrieben, die hinter jedem Busch kommunistische Wiedergänger vermutete.
Dombrowski, den man einen ostwestdeutschen konservativen Pragmatiker nennen darf, soll an Ludwigs Rauswurf mitgearbeitet haben. Nun ist er ihr Nachfolger. Von den 19 Fraktionsmitgliedern haben nur 11 für ihn gestimmt. Das wirkt nicht, als wäre der Zoff zu Ende.
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