Diskussion um Wasserkraftwerk Rheinfelden

Kraftwerk soll Kulturgut werden

Das älteste Wasserkraftwerk Europas soll eigentlich nach 2010 abgerissen werden - doch es regt sich Widerstand. Auch von der Schweizer Seite.

Kulturell so wertvoll wie ein Dom? Wasserkraftwerk in Rheinfelden. Bild: dpa

FREIBURG taz Eigentlich ist über den Abriss längst entschieden. Wenn im Jahr 2010 in Rheinfelden am Hochrhein ein neues Wasserkraftwerk in Betrieb geht, soll wenig später das alte Werk aus dem Jahr 1898 - 800 Meter flussabwärts gelegen - dem Erdboden gleichgemacht werden. Doch plötzlich regt sich Widerstand auf deutscher wie auf schweizerischer Seite.

Selbst bei der Unesco, der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, gingen in den letzten Monaten viele Anfragen von Bürgern ein, die wollen, dass das historische Wasserkraftwerk den Titel "Weltkulturerbe" bekommt. Abwegig ist der Gedanke nicht. Auch der Industriekomplex Zeche Zollverein in Essen steht auf der Weltkulturerbeliste.

Beim Internationalen Rat für Denkmalpflege (Icomos), der für die Unesco die Weltkulturerbe-Projekte auswählt, war das Projekt Rheinfelden bislang jedoch unbekannt. Das hat sich mit den Anfragen der Bürger nun geändert. Die Experten wollen das Thema demnächst aufgreifen: "Ich werde mir das Kraftwerk im Frühjahr mal anschauen", sagt Giulio Marano, Sprecher der einflussreichen Icomos-Monitoring-Gruppe.

Warum das Kraftwerk ein besonderes Kulturdenkmal sein soll? Die Anlage in Rheinfelden war das erste Flusskraftwerk Europas und zugleich bei Inbetriebnahme das größte Kraftwerk des Kontinents - mit einer aus heutiger Sicht bescheidenen Leistung von gerade 12,4 Megawatt. Noch ohne den Einsatz von Baustahl wurde das Maschinenhaus am deutschen Flussufer errichtet; es wurde zum Kristallisationspunkt einer energieintensiven Industrie.

Zugleich legte das Projekt durch die frühzeitigen Stromlieferungen in die Schweiz den Grundstein für den europäischen Netzverbund. Historische Turbinen, die zum Teil noch heute laufen, erlauben Besuchern einmalige Einblicke in ein ganzes Jahrhundert deutscher Technikgeschichte.

Viel Hoffnung, das Werk erhalten zu können, macht Icomos-Vertreter Marano gleichwohl nicht - allerdings vor allem aus formalen Gründen. Denn solange sich das Landesdenkmalamt nicht aktiv darum bemühe, werde auch Icomos nicht offiziell tätig: "Die Initiative muss vom Land kommen", sagt Marano. Doch die Denkmalpfleger trauen sich an das Projekt nicht mehr heran, obwohl sie die neuen Rettungsbemühungen "mit Interesse" vernehmen. Denn es gibt einen rechtskräftigen Planfeststellungsbeschluss und einen Staatsvertrag mit der Schweiz. Diese Vereinbarungen alle noch einmal neu zu formulieren und die Verfahren neu aufzurollen erscheint den Denkmalpflegern zumindest im Moment noch undenkbar. Aus der Region jedoch werden die Forderungen lauter.

"Wir werden alle Anstrengungen unternehmen, um das Maschinenhaus zu erhalten", sagt Eberhard Niethammer, Oberbürgermeister in Badisch Rheinfelden. Doch auch er weiß, dass die Aktivitäten spät kommen: "Der Denkmalschutz war in den Achtzigerjahren zu wenig aktiv."

Unterdessen mehren sich auch von Schweizer Seite die Stimmen für den Erhalt. Oliver Tschudin, Architekt und Stadtrat von Rheinfelden, Schweiz sagt: "Dieser Bau hat eine kulturhistorische Bedeutung von europäischem Rang."

Oberbürgermeister Niethammer weiß indes, dass der Erhalt des Bauwerks ein vernünftiges Nutzungskonzept voraussetzt. Denn klar ist: Die Bestandssicherung wird viel Geld kosten. "Was wir jetzt brauchen", sagt Niethammer, "ist eine zündende Idee für die künftige Nutzung des Maschinenhauses."

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