Wenn Verbraucherschützer Unternehmen verklagen, tragen sie das Risiko. Bußgelder aber erhält der Staat. Das soll sich ändern – seit zwei Jahren schon.von Svenja Bergt

Die Kartellabsprachen bei Reinigungern wurden von Verbraucherschützern aufgedeckt. Belohnt wurde das nicht. Bild: chris-up/photocase
BERLIN taz | Ende vergangenen Jahres verhängte das Bundeskartellamt ein Bußgeld von 24 Millionen Euro gegen zwei Hersteller von Reinigungsmitteln. Ein großer Erfolg für die Verbraucherschützer, doch das Geld wanderte in den allgemeinen Haushalt.
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Die Firmen hatten die Preise von Spülmaschinentabs, Waschmittelzusätzen und Allzweckreinigern in mehreren Fällen abgesprochen. „Die Zeche zahlte der Verbraucher“, sagte der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, damals.
Verbraucherschützer klagen seit langem: Wenn Unternehmen zahlen müssen, weil das Kartellamt oder auch Verbraucherverbände unrechtmäßige Tätigkeiten aufgedeckt haben, dann landet das Geld in der Staatskasse. Falls der Verbraucherverband aber vor Gericht unterliegt, trägt er den finanziellen Schaden allein. Entsprechend niedrig ist der Anreiz, gegen Unternehmen vorzugehen. Denn viele Verfahren bedeuten vor allem ein hohes finanzielles Risiko.
Die Verbraucherschutzminister der Länder wollen das ändern. Auf einer Konferenz vor anderthalb Jahren beschlossen sie daher einstimmig: „Die durch die Kartellbehörden erhobenen Bußgelder sind ganz oder zumindest teilweise der Verbraucherarbeit zuzuführen.“ Und: „Das Prozessrisiko der Verbraucherverbände“ soll reduziert werden, indem abgeschöpfte Gewinne in einen Fonds fließen und nicht in den Haushalt.
Rückenwind gibt den Verbraucherschutzministern dabei ein aktuelles Gutachten im Auftrag des grün geführten Verbraucherministeriums in Nordrhein-Westfalen. Der Konstanzer Professor Karl-Heinz Fezer schlägt darin Folgendes vor: Der Bund soll ein Sondervermögen einrichten, das nur für die Verbraucherarbeit genutzt wird. In dieses Sondervermögen sollten ein Teil der Kartellbußen einfließen, ebenso wie Erlöse aus den Verfahren der Verbraucherzentralen.
„Damit ließe sich eine stärkere Unabhängigkeit für die Verbraucherarbeit erreichen“, begründet Fezer seinen Vorschlag. Momentan kommt der Großteil der Mittel aus den Haushalten des Bundes und der Länder, dazu kommen in geringerem Umfang Projektmittel, Mitgliedsbeiträge oder auch Einnahmen aus Beratungen. Ein Sondervermögen würde die Arbeit unabhängiger machen von Kürzungen und stärker auf die Eigenverantwortung der Verbände setzen.
Fezer schätzt, dass im Schnitt 50 Millionen jährlich zusammenkommen könnten – etwas schwankend, je nach Aktivität der Verbraucherarbeit. Fezer schlägt vor, dass das Sondervermögen auch offen sein soll für Anträge kleinerer Projekte. Damit könnten beispielsweise Bereiche unterstützt werden, in denen die großen Verbraucherorganisationen nicht tätig sind.
Eine weitere Idee, die Verbraucherarbeit finanziell besser zu stellen, das Stiftungsmodell, sieht Fezer derweil kritisch. Dabei werde ein Teil des Vermögens wieder von Verwaltungskosten aufgefressen – das sei bei einem Sondervermögen nicht der Fall. Das nordrhein-westfälische Umweltministerium wollte sich noch nicht näher zu den Ideen äußern. Man befinde sich gerade im Abstimmungsprozess.
Die Bundesregierung ist allerdings gegen die Pläne der Länderminister. Das Justiz- und Wirtschaftsministerium hatten sie stets abgelehnt. Auch jetzt teilte ein Sprecher des Verbraucherschutzministeriums mit: Man habe sich darauf geeinigt, die Finanzierung nicht zu ändern.
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Leserkommentare
08.05.2012 08:58 | XXX
Vielen Dank für den Artikel. Es ist schon interessant, wie uneingeschränkt hier bei uns alles zugunsten der Wirtschaft (ans ...
07.05.2012 19:24 | S. Weinert
Ich habe immer ein Problem damit, wenn gerichtliche Klagen der Einnahmerzielung dienen sollen. Es stellt sich dann leicht d ...