Details einer neuen EU-Finanzarchitektur sickern durch, sie stehen im Widerspruch zur Politik der Bundesregierung. Die Appelle an Merkel, ihre Position zu ändern, häufen sich.von Eric Bonse

Wurde von Barroso, Obama, Cameron zum Kurswechsel aufgefordert: Bundeskanzlerin Angela Merkel. Bild: dapd
BRÜSSEL taz | Deutschland gerät wegen seiner zögerlichen Haltung in der Eurokrise immer mehr unter Druck. Am Mittwoch forderte EU-Kommissionschef José Manuel Barroso, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse sich endlich bewegen und neben der bereits beschlossenen Fiskalunion auch eine umfassende Bankenunion sowie Gemeinschaftsanleihen, sogenannte Eurobonds, akzeptieren. Bisher lehnt Merkel beides ab.
Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?
Die EU habe es mit „systemischen Problemen“ zu tun und sei in eine „Notlage“ geraten, sagte Barroso. Dabei spielte er auf die Lage von Spanien und Italien an, die immer stärker unter Druck von Investoren und Spekulanten geraten. Die Eurozone müsse beim nächsten EU-Gipfel Ende Juni nicht nur die umstrittenen Neuerungen, sondern auch einen verbindlichen Fahrplan zu deren Umsetzung beschließen.
Mit Blick auf das Zögern in Berlin warnte Barroso: „Ich bin mir nicht sicher, ob die Notlage in allen Hauptstädten vollständig erkannt wird.“ Indirekt schob er den Schwarzen Peter für die Krise so an Merkel – und er steht längst nicht allein damit. Mittlerweile gehen im Kanzleramt fast täglich Appelle und Hilferufe ein.
Nach US-Präsident Barack Obama und der Gruppe der G 7 forderten auch der britische Premier David Cameron, Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy und Italiens Premier Mario Monti rasche Entscheidungen.
Sie alle fürchten, dass die Eurozone unter dem Druck der Krise zusammenbrechen könnte. Die Eurochefs hätten höchstens noch drei Monate Zeit, um eine Katastrophe zu verhindern, warnte IWF-Chefin Christine Lagarde. Als möglicher Auslöser eines Crashs gilt vor allem Griechenland. Sollte Athen die Währungsunion verlassen müssen, könnte dies zu einer panikartigen Flucht aus dem Euro führen.
Um das Schlimmste zu verhindern, arbeiten die EU-Gremien an Notfallplänen und Entwürfen für eine neue Euro-Finanzarchitektur. Am Mittwoch wurde bekannt, dass die EU bei einem „Grexit“, dem Austritt Griechenlands aus dem Euro, Grenz- und Kapitalverkehrskontrollen einführen könnte. Unterdessen fordern die griechischen Konservativen Nachverhandlungen über das Hilfsprogramm – nachdem Spanien weniger strenge Auflagen bekommen soll.
Gestern sickerten Details der geplanten neuen Finanzarchitektur durch. Dazu gehören neben einer Bankenunion mit gemeinsamer Aufsicht und Haftung auch eine engere Fiskalunion, die durch Gemeinschaftsanleihen und gemeinsame Ausgabenprogramme gefestigt werden könnte.
Die Eurozone brauche eine „viele engere Banken- und Fiskalunion“, heißt es in einem Entwurf für die Abschlusserklärung des Juni-Gipfels, der vorzeitig bekannt wurde – und Berlin wenig erfreuen dürfte.
Die EU-Abgeordneten forderten darüber hinaus, einen Schuldentilgungsfonds einzuführen, wie ihn die deutschen Wirtschaftsweisen schon im letzten Jahr vorgeschlagen hatten. Damit sollen die Schuldenberge in der EU abgebaut werden, Deutschland würde für die „Schuldensünder“ im Süden mithaften. Auch diesen Vorschlag lehnt Merkel bisher ab.
Allzu lange wird sie sich ihre Blockade nicht mehr leisten können. Denn hinter den Kulissen arbeiten EU-Kommissionschef Barroso, Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker, EZB-Präsident Mario Draghi und Ratspräsident Herman Van Rompuy an einem Masterplan zur Rettung Europas.
Er soll beim EU-Gipfel vorliegen und das bisherige Klein-Klein bei der Krisenbewältigung beenden. Wenn Merkel auch dazu Nein sagt, stürzt die EU neben der wirtschaftlichen auch noch in eine politische Krise.
Dem Spuk wäre ganz schnell ein Ende gemacht, ...
Was der Herr Overstolz da schreibt hat wohl Hand u. Fuß! Aber erst müsste mal die Politik wieder auf geraden Weg. Das hei ...
Die geistige Unterbelichtung einiger deutscher ...
Anfang Juni soll eine Friedenskonferenz zum Syrienkonflikt mit den Beteiligten stattfinden. Russland setzt deswegen die Assad-Regierung unter Druck – mit Erfolg.

Bond-Schurkin, Stil-Ikone, Musikerin: Das Gesamtkunstwerk Grace Jones hat Geburtstag.

David Beckham beendet seine Fußballer-Karriere. Wird er jetzt etwa Vollzeitpapa, Model oder Frührentner? Ach, uns fallen da noch ein paar andere Sachen ein...

Ein echt fieser Augapfel, ein Harley-Davidson-Skelett, Buddha hat Geburtstag und jede Menge Quallen. Unsere Bilder der Woche.

14 Jahre war Thomas Schaaf Trainer bei Werder Bremen – genug Zeit, seinen trockenen Humor in vielen Interviewantworten unter Beweis zu stellen.


Für alle, die mitreden wollen
Der lange Abschied vom Wachstum, Kriminalität ohne Grenzen, der Kampf um die richtige Landwirtschaft, Sozialpolitik gegen den sozialen Fortschritt, die überfällige Reform der UN: Der neue Atlas der Globalisierung von Le Monde diplomatique veranschaulicht auf 176 Seiten und in über 150 neuen Karten und Infografiken in welchem Tempo die Globalisierung voranschreitet und die Welt verändert.