Vor drei Jahren berichteten Technikfachdienste, dass gelöscht Fotos auf Facebook noch Monate später abrufbar waren. Nun hat Facebook reagiert: es soll nur noch 30 Tage dauern.von Ben Schwan

Wer sie sehen wollte, konnte: gelöschte Fotos auf Facebook. Bild: dapd
Facebook hat ein langes Gedächtnis. Der Social-Networking-Konzern, dessen Aktienkurs gerade neue Tiefstwerte testet, speichert Informationen umfänglicher und länger, als das vielen seiner über 900 Millionen Mitglieder bekannt sein dürfte.
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Das stellte schon das österreichische Datenschutzprojekt „Europa vs. Facebook“ fest, dessen Macher sich im vergangenen Jahr mal eben einen Datenträger mit allen vorliegenden Facebook-Informationen eines Mitglieds vorlegen ließen. In der insgesamt 1.200 Seiten langen PDF-Datei, die Facebook Europe aufgrund des irischen Datenschutzrechts schließlich herausrücken musste, tauchten auch Informationen auf, die eigentlich längst hätten gelöscht sein müssen.
Ein besonders problematischer Bereich dürfte Facebooks Fotodatenbank sein. Darin befinden sich gigantische Datenmengen, die schnell weiter wachsen: So luden Nutzer des sozialen Netzes allein über das Neujahr 2011 insgesamt 750 Millionen Bilder hoch, um sie später online betrachten und mit Freunden teilen zu können. Wie der IT-Nachrichtendienst Ars Technica bereits im Sommer 2009 feststellte, führt eine dort vorgenommene Löschung durch den Nutzer allerdings keineswegs dazu, dass Aufnahmen von Facebooks Servern verschwinden.
So gelang es den Testern, Bilder, deren zugehörige Web-Adresse sie zuvor mittels simplem „Copy Image URL“-Befehl („Kopiere Bildadresse“) im Browser gespeichert hatten, noch nach 12 Monaten erneut abzurufen. Nur der Hinweis in der Facebook-Fotoübersicht war offenbar gelöscht worden, die Daten selbst verblieben auf dem weltweit verteilten Speichernetz des Social-Networking-Konzerns. In einzelnen Fällen sollen vom Nutzer eigentlich entfernte Aufnahmen noch drei Jahre oder länger mit dieser Methode auffindbar geblieben sein. Stets reichte die URL.
Im Vergleich dazu schlugen sich andere Internet-Angebote deutlich besser. Egal ob nun der Web-2.0-Konkurrent Twitter oder der Fotodienst Flickr: Die Löschung dauerte nur Sekunden. Auch in den sogenannten Content-Delivery-Networks (CDNs), mit denen große Websites ihre Daten in alle Welt verteilen, kommt der „Entfernen“-Befehl hier im Gegensatz zur Situation bei Facebook sofort an.
Doch nun scheint sich etwas zu tun im Serverpark des Netzwerks: Wie ein Facebook-Sprecher gegenüber Ars Technica bestätigte, wurde die Infrastruktur so verändert, dass "Löschen" anscheinend endlich tatsächlich „Löschen“ bedeutet. Wobei - so ganz stimmt das wieder nicht. „Als Ergebnis unserer Arbeit an unseren Vorgaben und unserer Infrastruktur haben wir nun ein 'Maximalalter' von 30 Tagen für unsere CDN-Links eingerichtet“, so Facebook-Pressemann Frederic Wolens zu Ars Technica. Das heißt: Nun sollen sich Nutzer darauf verlassen können, dass ein gelöschtes Bild einen Monat später nicht mehr aufgerufen werden kann.
Warum das Verfahren immer noch so lange dauert, wollte der Sprecher aber offensichtlich nicht angeben. Immerhin: Das Monatsfenster soll nicht für alle Bilder gelten, manche Bilder würden „deutlich schneller“ gelöscht, was wiederum anhand bestimmter Faktoren bestimmt würde. Welche das genau sind, kommentierte Wolens gegenüber Ars Technica nicht.
Neuerliche Tests der Seite ergaben nun auch, dass ältere Bilder, die früher noch aufrufbar waren, nun entfernt sind. In einem Fall war eine neue Aufnahme bereits nach zwei Tagen gelöscht. Facebook klammert sich dennoch an seine bisherige Politik, dass man doch die Aufnahmen aus Facebook selbst entfernt und Freunden auch nicht mehr angezeigt habe. Es gehe ja immer nur um die „im CDN zwischengespeicherten“ Bilder. Doch genau die waren eben mittels URL-Kopieren eine kleine Ewigkeit erreichbar.
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Leserkommentare
18.08.2012 13:39 | Frank
Was ist mit den Daten auf den Datensicherungssystemen? Werden dort die gelöschten Bilder ebenfalls entfernt? Oder lagen die ...