„Feine Sahne Fischfilet“ in Chemnitz

Bombendrohung unterbricht Konzert

Ein Konzert in Chemnitz wurde am Donnerstagabend unterbrochen. Rechte mobilisierten im Vorfeld gegen die linke Punkband, die das Konzert aber zu Ende spielte.

Frontmann Jan "Monchi" Gorkow steht in der Alten Brauerei in Dessau auf der Bühne.

Feine Sahne Fischfilet: „Wenn heute einer das AJZ Chemnitz abreißt, dann wir“ Foto: dpa

CHEMNITZ/BERLIN epd/afp | Wegen einer Bombendrohung ist ein Konzert mit der linken Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ in Chemnitz am Donnerstagabend unterbrochen worden. Nach Angaben der Polizei ging gegen 20 Uhr eine telefonische Drohung gegen das Konzert im Lagezentrum ein. Daraufhin wurde die Veranstaltung im Chemnitzer Alternativen Jugendzentrums (AJZ) unterbrochen. Die etwa 550 Besucher mussten das Gebäude verlassen. Es sei kein verdächtiger Gegenstand gefunden worden.

Nach der Überprüfung des Gebäudes konnte knapp zwei Stunden später das Konzert fortgesetzt werden. Laut „Freier Presse“ (online) spielte gerade die Vorband, als die Polizei die Evakuierung anordnete. Gegen den Auftritt von „Feine Sahne Fischfilet“ in Chemnitz hatten zuvor Rechtsextreme massiv mobilisiert und einen Sturm auf das Jugendzentrum angekündigt. Auf Facebook schrieb die Band nach der Bombendrohung am Donnerstagabend, dass sie ihr Konzert „auf jeden Fall durchziehen werden“: „Wenn heute einer das AJZ Chemnitz abreißt, dann wir“, hieß es.

Nach dem gewaltsamen Tod eines 35-jährigen Deutschkubaners Ende August in Chemnitz war es in der Stadt zu Ausschreitungen von Rechtsextremen gekommen. An diesem Freitag wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Stadt erwartet. Die rechtsgerichtete Vereinigung „Pro Chemnitz“ hat Proteste angekündigt.

„Feine Sahne Fischfilet“ ist immer wieder Ziel des Hasses von Rechtsextremen. Die Musiker engagieren sich seit Jahren gegen Rechtsextremismus. Bundesweit in die Schlagzeilen geriet Feine Sahne Fischfilet im Oktober, als die Stiftung Bauhaus Dessau ein geplantes Konzert der Punkrocker absagte. Die Stiftung verwies auf Drohungen von Rechtsextremen und befürchtete Ausschreitungen. Zudem erklärte sie, politisch extremen Positionen dürfe keine Plattform gegeben werden.

Der Band aus Mecklenburg-Vorpommern werden aus früheren Jahren gewaltverherrlichende Texte vorgeworfen, von denen sie sich aber inzwischen distanziert hat. Das abgesagte Konzert in Dessau vom 6. November ging schließlich an einem anderen Veranstaltungsort in Dessau über die Bühne.

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