Der Taliban schlagen in fünf Provinzen gleichzeitig zu. In Kabul beschossen sie das Diplomatenviertel und sollen ins Parlament eingedrungen sein.von Thomas Ruttig

Afghanische Soldaten nach einem Angriff in Jalalabad am Sonntag. Bild: dapd
BERLIN taz | Es gebe bislang keinerlei Anzeichen für einen koordinierten Taliban-Angriff in diesem Jahr, hatte noch am Montag der deutsche General und Sprecher der Isaf-Truppe in Kabul, Carsten Jacobson, erklärt. Dumm gelaufen: Gestern schlugen die afghanischen Aufständischen simultan gleich in fünf Provinzen zu.
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Die Angriffe in drei Stadtteilen Kabuls sowie in den Zentren der Provinzen Nangrahar, Paktia und Logar folgten demselben Muster. Bewaffnete Angreifer mit Selbstmordwesten besetzten öffentliche Gebäude und nahmen von dort aus nahe strategische Ziele unter Feuer. In Kapisa starb ein Distriktpolizeichef in einem Bombenhinterhalt. Zumindest in Kabul hielten die Kämpfe am Nachmittag an. In Nangrahar und Paktia seien sie beendet, so das Kabuler Innenministerium.
In Kabul waren bis zu zehn starke Explosionen zu hören. Die Angreifer drangen in einen Hotelneubau ein, der nun in Flammen steht, und beschossen ein Viertel, in dem sich Botschaften und das Isaf-Kommando befinden. Mehrere Angreifer sollen es auch ins schwer bewachte Parlament im Westen Kabuls geschafft haben, wo am Sonntag die Ausschüsse tagten. Dort beteiligten sich auch Abgeordnete an der Verteidigung. Zudem wurde am Stadtrand ein Stützpunkt türkischer und griechischer Isaf-Soldaten beschossen.
In Dschalalabad, Gardez und Pul-i-Alam griffen Taliban mit Selbstmordwesten die Polizeihauptquartiere und den US-Stützpunkt an. In Logar attackierten sie auch den Gouverneurssitz und das Gebäude des Geheimdiensts. In Gardez wurden am Morgen drei Schüler des Gymnasiums durch eine Landmine verletzt; die Schule liegt in derselben Straße wie das Gouverneursbüro.
Für alle Attacken übernahmen die Taliban die Verantwortung. Ihr Sprecher Zabihullah Mudschahed erklärte per SMS, dass auch diplomatische Vertretungen zu den Zielen gehörten. Das Auswärtige Amt bestätigte „Schaden“ auf dem deutschen Botschaftsgelände. Zwei Panzerfäuste trafen die Residenz eines britischen Diplomaten. Personen kamen dabei offenbar aber nicht zu Schaden.
Im Gegensatz zu Jacobsons Worten kamen die Angriffe nicht unerwartet. Zwar blieb diesmal die generelle Proklamation einer Taliban-Frühjahrsoffensive aus, aber zwei ihrer Kommandanten kündigten an, in diesem Jahr werde man stärker die afghanische Polizei angreifen.
In einer gesonderten Entwicklung stürmten am Sonntag etwa 100 pakistanische Taliban ein Gefängnis im Nordwesten Pakistans und befreiten etwa 400 Häftlinge und Taliban-Kämpfer.
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