Gelöschtes iPhone-Spiel „Flappy Bird“

Kein Frieden für den Erfinder

Dong Nguyen löschte sein beliebtes Spiel „Flappy Bird“ um wieder Ruhe zu haben. Nun haben Fans eine Journalistin auf die Suche nach ihm geschickt.

Zweistellige Punktzahl? Gratulation. Tabelle: youtube.com/channel/UCosgTpR204f_djR7aTWEknw

BERLIN taz | „Das Spiel hat mein einfaches Leben zerstört“, schreibt Dong Nguyen am 8. Februar auf Twitter. „Also hasse ich es.“ Das war noch um 7 Uhr morgens, am Nachmittag verkündete er: „In 22 Stunden nehme ich 'Flappy Bird' runter. Ich halte das nicht mehr aus.“ Und damit verschwand das Spiel, das sich wenige Wochen zuvor an die Spitze des Apple-Store gearbeitet hatte. Das Spiel spielten zuletzt wohl 50 Millionen Menschen.

Worum es wirklich dabei ging, bleibt mysteriös. Seitdem hat sich Dong Nguyen kaum noch zu Wort gemeldet: In einem Interview sagte er, ihn habe der Suchtfaktor seines Spieles gestört. Es gibt die These, seine Aktion sei nur ein PR-Stunt oder er komme damit einer Klage zuvor, weil das Spiel von ihm nur kopiert worden sei. Oder es kann wirklich sein, dass ihn die plötzliche Beliebtheit gestört hat.

Klar ist aber: „Flappy Bird“ hat auch nach seinem Verschwinden noch immer viele, viele Fans. Sie alle haben das Smartphone-Spiel gespielt, bei dem man einen Vogel durch Antippen des Bildschirms durch Rohrpaare, die von oben und unten in den Bildschirm ragen, steuert. Wird ein Paar erfolgreich passiert, gibt es einen Punkt.

Die ruckeligen Bewegungen des Vogels und die kleinen Rohröffnungen machen das Ganze unheimlich schwierig. Und genau deshalb macht es wohl so süchtig: Man kann Stunden damit verbringen, auch nur eine einstellige Punktzahl zu erreichen.

Täglich 50.000 Dollar

Als Nguyen das Spiel zurückzog, war er schon reich. Einem Bericht zufolge soll er mit Werbung auf „Flappy Bird“ täglich 50.000 Dollar verdient haben – eine Zahl, die er nicht bestätigte. „Es ist aber auf jeden Fall eine ganze Menge,“ gab er preis. Kurz nachdem „Flappy Bird“ aus dem Netz verschwunden war, explodierten die Preise für Handys, auf denen das Spiel schon installiert war, und im Netz begann die Suche nach einem würdigen Nachfolger.

Es startete auch die Suche nach Dong Nguyen. Warum zog er das Spiel zurück, mit dem er noch mehr Profit hätte machen können als er schon anhäufen konnte? „Was er getan hat, erinnert mich an etwas, das ein buddhistischer Lehrer in Hanoi mir mal sagte: 'Du wirst nie dein Eigentum besitzen. Es wird am Ende immer dich besitzen“, schreibt die Technik-Journalistin Kim-Mai Cutler.

Auf der Crowdfunding-Plattform „Crowdtilt“ sammelte sie Geld um Nguyen in Hanoi aufzusuchen und ihn zu seiner Entscheidung zu befragen. Ein Experiment mit Journalismus und Crowdfunding soll das sein, schreibt sie. Das Geld ist inzwischen zusammengekommen.

Und Dong Nguyen? „Lasst mich in Frieden“, schrieb er vor wenigen Wochen. Das wird wohl nichts.

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