In einer indischen Autofabrik hat eine blutige Arbeiterrevolte stattgefunden. Zahlreiche Manager wurden tätlich angegriffen, der Personalchef starb in einem gelegten Feuer.von Georg Blume

Polizisten vor dem ausgebrannte Maruti-Suzuki-Werk. Bild: dapd
DELHI taz | Befindet sich Indien auf dem Weg in den industriellen Klassenkampf? Das jedenfalls lässt eine blutige Arbeiterrevolte in einer Vorzeigefabrik am Hochtechnologiestandort Gurgaon in der Nähe von Delhi vermuten.
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Die Revolte begann am Mittwochabend, als Arbeiter von Indiens führendem Autokonzern, dem japanisch-indischen Joint Venture Maruti Suzuki, die Büroetagen ihres Konzerns stürmten. „Die Aufseher hatten sich über einen Arbeiter der Unberührbaren-Kaste lustig gemacht und ihn belästigt. Daraufhin haben sich die Arbeiter auf legitime Weise gewehrt“, sagte später der Gewerkschaftschef von Maruti Suzuki, Ram Meher. Doch für die angegriffenen Manager war der Protest alles andere als legitim. „Da waren Terroristen am Werk“, sagte einer von ihnen am nächsten Tag im Krankenhaus.
Er hatte mit seinem gebrochenen Arm noch Glück. Für den Personalchef von Maruti Suzuki in Gurgaon, Awanish Dev, kam jede Hilfe zu spät. Er wurde verprügelt und erstickte in seinem Büro am Rauch eines Feuers, das offenbar von den Protestlern gelegt worden war.
Für die Firmenleitung von Maruti Suzuki ein klarer Fall von Brandstiftung. „Nur die Polizei hat uns retten können“, sagte ein Manager. Die Geschäftsführung sprach von 105 Verletzten, die meisten davon aus dem Management, darunter auch zwei Japaner. Und als wollte die Polizei eine gewisse numerische Gerechtigkeit herstellen, verhaftete sie daraufhin 99 Arbeiter.
Bis gestern waren bis zu 1.000 Polizeibeamte im Einsatz. Rundherum flohen die meisten Arbeiter aus ihren ärmlichen Behausungen in Fabriknähe, um weiteren Razzien zu entgehen. Währenddessen entschied die Geschäftsführung, die Fabrik vorerst für unbefristete Zeit zu schließen. Das Werk hat eine Produktionskapazität von 550.000 Autos im Jahr und war gut ausgelastet.
Der landesweite Marktanteil von Maruti Suzuki kletterte von 26 Prozent im vergangenen Jahr zuletzt wieder auf 40 Prozent – auch wegen der populären Kleinwagen, die in Gurgaon produziert werden. Allerdings unter sozial fragwürdigen Bedingungen: Nur 900 von 3.000 Arbeitern waren fest angestellt, der Rest bezog Monatsgehälter von rund 100 Euro – ungefähr ein indisches Putzfrauengehalt.
Gegen die miesen Arbeitsbedingungen hatten die Arbeiter noch im vergangenen Jahr lange gestreikt. Der Ausstand führte zu einem Produktionsausfall von 65.000 Autos und Verlusten in Höhe von über 400 Millionen Dollar. Er erregte großes Aufsehen – aber dann schien man sich auf einen guten Kompromiss geeinigt zu haben. Doch offenbar nur auf dem Papier.
Erst im Juni leitete die zuständige staatliche Arbeitsbehörde ein Verfahren gegen die Fabrikleitung ein, weil sie sich an die Abmachungen nicht gehalten hatte. Gewerkschafter warfen der Firma zudem vor, die Proteste vom Mittwoch mit Schlägertrupps angestiftet zu haben.
Immerhin gab ein Manager zu, dass Schläge und Spucken zum Werksalltag gehörten. Der Mord an Personalchef Dev dürfte für einige der Aufständischen juristische Folgen haben: Vermutlich werden gleich Dutzende des Mordes angeklagt werden.
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Leserkommentare
25.07.2012 11:20 | drDuden
Sonderbar, ich habe das Wort "Protestler" nicht im Duden gefunden... Es ist beschämend, dass eure Redakteurler solche diffa ...
25.07.2012 00:19 | derkasten
warum heisst es Protestler und nicht Protestierende oder Protestiererinnen, lieb Taz_in? Passt bitte mal auf eure sprache a ...
23.07.2012 12:52 | Hesse
Naja ... wenigstens liest man hier auch mal etwas vom Klassenkampf von unten. ...